Vom Schützenplatz zur Sauerlandhalle
Die Geschichte der Schützenhäuser

Auch nachdem die Schützenvereinigungen ausgangs des Mittelalters ihre ursprüngliche Funktion – Verteidigung der Stadt gegen feindliche Angriffe und Belagerungen verloren hatten, trugen die Schützen zunächst weiter ihre Waffen (Armbrust oder Büchse), wobei die Einhaltung dieser Pflicht durch regelmäßige Waffenappelle, ergänzt durch Exerzierübungen, kontrolliert wurde.

Der erste überlieferte Schützenplatz, der diesen Zwecken gedient haben mag, könnte sich im Westen der Stadt, zwischen Kahlenbergsweg, Dahlborn und St. Poler Straße befunden haben. Möglicherweise stand hier auch ein Gebäude, in welchem die Schützengesellschaft Ausrüstung und Inventar einlagerte.Das Schützenfest wurde zu jener Zeit allerdings im Rathaus neben der Alten Kirche gefeiert, das bei dem großen Stadtbrand Silvester 1801 zerstört wurde. 1833 erbaute die Stadt Warstein ein neues Rathaus an der Ecke Dieplohstr./Hauptstraße, in welchem fortan zu Pfingsten gefeiert wurde.

Mit dem Anwachsen der Bevölkerung und der steigenden Mitgliederzahl der Schützengesellschaft genügte aber das Rathaus den räumlichen Anforderungen bald nicht mehr. Nachdem ein aus Lippstadt entliehenes und auf dem Herrenberg aufgestelltes Zelt durch Sturmeinwirkung mehrmals stark beschädigt worden war, kam man im Jahre 1850 überein, ein massives Gebäude zu errichten, was dann in den Jahren 1851/1852 unter großem Einsatz der 200 Mitglieder sowie derUnterstützung durch die Stadt Warstein geschah. Der fragliche Baugrund auf dem Herrenberg gehörte der Stadt und galt als landwirtschaftlich nicht sehr gut nutzbares Land; vermutlich wurde er schon lange vor dem Bau von den Schützen genutzt. Anfang 1901 wurde das Grundstück dann zum Preise von 50 Mark an die Schützengesellschaft verkauft, allerdings unter dem Vorbehalt, dass der Schützenplatz ohne besondere Entschädigung auch zu militärischen Kontrollversammlungen und anderen öffentlichen Zusammenkünften, Tierschauen und Volksbelustigungen genutzt werden dürfe.

Die dort aufstehende Halle wies zunächst eine Grundfläche von ca. 15 m mal 45 m auf bei einer Dachhöhe von 10 m. 1878 wurde der Restaurationsbau an der Nordseite fertiggestellt; bis 1914 kam es zu zahlreichen weiteren An- und Ausbauten, wie etwa zur Aufnahme des Throns bzw. der Bühne. In den Jahren des Ersten Weltkrieges 1914 – 1918 verpachtete der Verein für 500 Mark jährlich Schützenhalle und –platz an die Stadt Warstein; in dieser Zeit diente die Halle vorwiegend der Volks- und Rektoratsschule als Turnhalle. Im Steckrübenwinter 1917/18 erteilte der Verein der Stadt die Erlaubnis, im Keller des Gebäudes Rübenkraut herzustellen. Durch die ständigen feuchten Schwaden erwies sich dies aber als dem Holzfußboden abträglich, wie sich die Halle insgesamt nach Kriegsende in keinem besonders guten Zustand befand. So wurden der Stadt Warstein 1919 für Beschädigungen und abhanden gekommene Gegenstände rund 30000 Markin Rechnung gestellt, von denen im folgenden Jahr schließlich 18000 Mark an den Schützenverein überwiesen wurden.

Die größte bauliche Veränderung ergab sich 1927, als man beschloß, an die bestehende Halle eine kleinere anzubauen. Diese wurde 1928 fertiggestellt, die Weltwirtschaftskrise verursachte dem Verein allerdings erhebliche Schwierigkeiten bei der Finanzierung dieses Projektes. Nachdem der Bürgerschützenverein infolge Zuwiderhandlungen gegen die Anordnungen des Nationalsozialistischen Schützenverbandes 1939 verboten wurde, beschlagnahmte man neben dem übrigen Vermögen auch die Schützenhalle, welche in den folgenden Kriegsjahren als Lager für französische und russische Kriegsgefangene diente. Abziehende SS-Leute setzten die Halle in der Nacht vom 22. auf den 23. März 1945 vermutlich in Brand, um die darin eingeschlossenen Kriegsgefangenen umkommen zu lassen. Diesen gelang jedoch die Rettung aus dem Inferno; die Halle aber brannte bis auf die Mauern nieder.

Das Kriegsende brachte auch ein sofortiges Wiederaufleben der Vereinsaktivitäten, welche sich zunächst auf den Wiederaufbau der Schützenhalle konzentrierten. Da das Vereinsvermögen aufgrund der Zugehörigkeit zu einer NS-Organisation ersatzlos verfiel, konnten die notwendigen Finanzmittel nur durch Sammlungen, Spenden, Verlosungen und vielfältige weitere Unterstützung gewonnen werden. Am 30. Dezember 1948 aber konnte dann der Dachstuhl des Kleinen Saals gerichtet werden. Durch einen Sturm wurde die Dachkonstruktion am nächsten Tag völlig zerstört; ein Zimmermann aus Kallenhardt wurde dabei von herabstürzenden Balken erschlagen. Nach Einbringen eines Holzfußbodens und dem Abschluß der Innenarbeiten wurde die Kleine Halle am 15. Mai 1949 eingeweiht und bot kurz darauf dem ersten nach dem Krieg gefeierten Schützenfest der Junggesellenschützen Raum. Ab 1950 war auch die Große Halle wieder nutzbar; das Gebäude erhielt nun auch seinen heutigen Namen „Sauerlandhalle“.

Nachdem bis 1952 die letzten Arbeiten geleistet waren, standen der Bevölkerung und den Vereinen der Stadt wieder Festsäle zur Verfügung, ohne die bis heute viele Veranstaltungen und Feste nicht denkbar sind. Nach und nach wurden weitere Verbesserungen in der Sauerlandhalle durchgeführt, wie z. B. Einbau einer Heizungsanlage und eines Holzfußbodens im großen Saal, Einrichtung von Küche und Speisesaal, Neubau der Empore sowie Einrichtung der Gaststätte „Zum Schützenkrug“ 1959.

Auch in den folgenden Jahrzehnten wurden beide Hallen immer weiter ausgebaut, modernisiert und durch Renovierungen dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. All diese Arbeiten – zuletzt im Jahr 2000 die umfassende Neugestaltung der Großen Halle waren und sind nur möglich durch die Beiträge der über 1000 Mitglieder, durch Spenden und vor allem ungezählte Arbeitsstunden der Schützenbrüder. Der Raum der Gaststätte „Zum Schützenkrug“ wurde 1990 vollständig umgebaut und neu gestaltet; damit steht in der Sauerlandhalle ein Raum auch für kleinere Feste bereit, der sich seitdem einer regen Inanspruchnahme erfreut. Somit präsentiert sich die Sauerlandhalle Warstein – die größte Schützenhalle im weiten Umkreis – als moderner, zeitgemäß gestalteter und eingerichteter Ort für eine große Vielzahl unterschiedlichster Veranstaltungen.