Quelle: WP Warstein vom 30.04.2003

Geselliger Treff bei Webers


Wollen am 10./11. Mai das 150-jährige Bestehen ihres Gasthofs groß feiern: Ursula und Manfred Schmidt. Foto: Löbbert

Sichtigvor. Die älteste Gaststätte Sichtigvors feiert am 10./11. Mai 150-jähriges Jubiläum: Georg Schmidt (Webers ist der alte Hausname) erhielt nach zähem Ringen um eine Schankerlaubnis 1853 die Nachricht, "daß Ihnen der Hochwohlgeborene Landrath zu Arnsberg die Konzession zum Betriebe der Schenkwirtschaft am 1. April ertheilt hat".

Die Urkunde dazu hält Manfred Schmidt, der heute den Gasthof mit Frau Ursula betreibt, noch nicht lange in Händen: Erst 2002 trieb Willi Hecker vom Heimatverein diese in den Archiven der Stadt Warstein auf. Beim damaligen Amt Warstein hatte Georg Schmidt, von Beruf Bäcker und Krämer, bereits Anfang 1849 den Antrag gestellt, in seiner Krämerei auch alkoholische Getränke verkaufen zu dürfen. 53 Bürger unterschrieben sogar einen Bittbrief an den Landrat und brachten ihr Anliegen auf den Punkt: "Bei den häuslichen Verhältnissen ist es öfters der Fall, dass der Gebrauch des Branntweins ein unentbehrliches Bedürfnis ist.

Wie der Heimatverein recherchierte, muss der junge Wirt sehr erfolgreich gewesen zu sein. Neben dem Kauf mehrerer Acker- und Waldparzellen erwarb er 1863 ein größeres Grundstück an der Hauptstraße, oberhalb seines alten Hauses, um dort ein neues Wirtshaus zu errichten. Dieses große Fachwerkhaus war nicht wirklich neu, sondern hatte schon in Mellrich dem Küster Drepper gedient.

Im Sommer 1875 starb die Wirtin, Georg Schmidts Frau Margarethe; "Webers Greite" war wegen ihrer Hilfsbereitschaft im Dorf sehr beliebt. Bereits einen Monat nach ihrem Tod übergab der Wirt das ganze Vermögen an seinen Sohn Caspar, das mit 25 Jahren jüngste von sechs Kindern.<

Dieser führte die Gaststätte in wirtschaftlich schweren Zeiten und geriet sogar an den Rand der Existenz. Als Caspar Schmidt mit 49 Jahren (1899) starb, musste seine Frau Maria, geb. Vollmer aus Rüthen, allein für den Erhalt der Wirtschaft und das Wohl der neun Kinder kämpfen. Als sie 1925 starb, übernahmen die Geschwister Hermann und Gertrud den Betrieb. In den 30er Jahren kehrte der älteste Bruder Kaspar, gelernter Bäcker, mit Familie in das Elternhaus zurück und führte die Schankwirtschaft.

1953, hundert Jahre nach der Gründung, kam es erneut zu einem einschneidenden Wechsel. Kaspar Schmidt zog sich aufs Altenteil zurück, und sein Sohn Heinrich übernahm mit Ehefrau Maria den Gasthof. In einem Anbau eröffnete der Elektriker ein Elektrogeschäft, die Gaststätte geriet in die Rolle eines Nebenerwerbs.

"Webers" erfreuten sich weiter großer Beliebtheit, besonders, als sie 1954 das erste Fernsehgerät in Sichtigvor für ihre Gäste aufstellten. Das Gedränge und die Stimmung in Webers Räumen bei der Fußball-WM 1954 wurden inzwischen zu einer Legende.

Heinrich Schmidts einziger Sohn Manfred, wie sein Vater im Hauptberuf Elektromeister, übernahm mit Ehefrau Ursula 1980 die Gastwirtschaft. Seine fünf Schwestern wohnen ebenfalls noch in ihrem Heimatort. Der geschichtsträchtige Gasthof ist heute das Vereinslokal von Musik-, Tennis- und Sportverein, Tambourcorps, sowie Karnevalsgesellschaft Mü-Si-Wa.

Von Susanne Löbbert