13.36 Eichholz 1 (Thülen)

Nr. 36 der Übersichtskarte
Lage: im Immental westlich des Thülener Steins
4 Tagesöffnungen
Förderschacht: 71 m Teufe? (Teufe errechnet nach im Spatbergbau üblichem Sohlenabstand)
Sohlen: 8
Wetterschacht: als Notausstieg von der 8. Sohle bis über Tage
1 Versuchsschacht mit Seilbagger nördl. des Förderschachtes
1 Rampe
Betreiber: Firma Theo Mühlenbein
Betriebszeit: 1. Periode: von 1912-1927 nach M. ABELN (1), 2. Periode: von 1942-1974

Auch diese Grube baute auf der Immentalstörung. Als ich diese Grube kennenlernte, lag sie schon still. Mit ihrem aus Ziegelsteinmauerwerk bestehendem Fördergerüst sah sie gar nicht nach einer Kalkspatgrube aus, eher wie eine Feldscheune. Aber ich erinnere mich noch, ich habe mal seinerzeit in den Schacht geschaut. Dort hing noch das Fördergefäß am Zwischengeschirr, Bohrhammer mit Bohrsäule. Einige Meter Gummischlauch lagen noch im Fördergefäß (Abb. 147). Man hatte das Bohrgezähe wohl hochgezogen, damit es nicht auf den unteren Sohlen absoff.

Von Herrn MÜHLENBEIN ist mir bekannt, daß die Firma hier auf Eichholz I bis in alle Ewigkeit Kalkspat abbauen durfte. Auch erwähnte Herr MÜHLENBEIN, daß man alte Grubenbaue angefahren hätte. Waren es Grubenbaue aus der ersten Betriebsperiode oder waren diese Baue noch älter? Denn auf der Immentalstörung kommen noch einige Mineralien vor, z. B. Blei, Zink, Mangan u.s.w. Bei W. SCHRIEL (16) auf Seite 326 lesen wir: „Eine solche Bleierz führende Kluft ist auch auf der 28 m-Sohle der Grube Eichholz im Immental zu beobachten. Auf der mit rotbraunen Letten angefüllten Kluft, die den Spatgang in einer Breite von 0,50 m kreuzt, traten mehrere Zentner derbe Glasurerze auf, die mit jüngerem Kalkspat umwachsen sind. An verschiedenen Stellen kann man beobachten, wie die Erzführung auch den alten Kalkspat durch Einsprengungen von Bleiglanz weiterhin in ein abbauwürdiges Erz verwandelt hat.
Leider ist die Kluft nicht weiter untersucht worden, nachdem alles, was an Erz zu finden war, herausgeholt worden war und zur Ausschmückung von Steingärten benutzt wurde. Nach einer Analyse hatte die Probe Nr. 21 83,5 % Pb, die Probe Nr. 22 77,4 % Pb (Blei).

Am 06.04.95 traf ich bei der Suche nach der Grube Stiggen in Madfeld durch Zufall auf den Spatbergmann Franz SCHMIDT. Er war bis zu seinem 65. Lebensjahr auf der Grube Eichholz 1 beschäftigt. Franz SCHMIDT erzählt: "Geboren bin ich 1905, mein Vater Heinrich SCHMIDT war auch Bergmann und zwar auf der Kupfergrube in Niedermarsberg. Ich war 1943 auf dem Weg nach Rußland zur Ostfront. Da kam meine UK-Stellung (unabkömmlich). Mein Kompaniechef sagte mir noch: „Mensch haben sie ein Schwein, machen sie daß sie nach Hause kommen." So nahm ich meine Arbeit auf Eichholz I auf.

Die Belegschaft bestand aus 3 Mann, davon 2 Mann unter Tage. Pro Mann mußten wir 10 Kübel Spat laden und fördern (1 Kübel = 1O Zentner). Am 11.02.44 stürzte mein Kumpel in den Schacht und kam zu Tode. Er ist auf der Fahrte (Leiter) ausgerutscht und im oberen Bereich des Schachtes, da wo es immer durch die Grubenwetter so feucht ist, durch den Bretterverschlag in den Förderschacht gefallen. Die Leute erzählten dann, er wäre zu Tode gekommen, weil er nicht gottgläubig war und immer über Gott lästerte. Als Erinnerung an meine Bergmannszeit im Spat habe ich noch meine Karbidgrubenlampe." (der Firma SCHARLACH aus Nürnberg)

Angesichts der geringen Belegschaftstärke im Spatbergbau bin ich doch sehr erschrocken über die relativ vielen tödlichen Unfälle. Hier wird wohl oft Leichtsinn und Unkenntnis eine Rolle gespielt haben. Aber man kann als Spatbergmann auch sehr alt werden. Als ich Franz SCHMIDT traf, war er schon 90 Jahre alt und er beschäftigte sich noch mit seinen Urenkeln.

In den Jahren nach 1968 versuchte man noch nördlich vom alten Schacht mit Hilfe eines Seilbaggers einen neuen Schacht zu teufen. Der Spatbergmann und Aufsichtshauer Josef STEFFEN bediente diesen Bagger. Mit Hilfe eines 5 Zentner fassenden Kübels zog man Spat und Dreck aus dem Schacht. Der Dreck wurde auf die Halde gekippt, den Spat kippte man auf einen Lkw-Anhänger. Geteuft wurde dieser Schacht bis zur 2. Sohle.

Im Februar 1996 fand ich den Förderschacht von Eichholz I zum größten Teil schon verstürzt. Man wartet noch auf ein Gutachten, wie man die oberen Sohlen nach Auflage des Bergamtes verfüllen soll. Die Rampe, Halde, Förderschachthaus und Betriebsflächen sind schon eingeebnet. Eines der letzten sichtbaren Zeugnisse des Briloner Bergbaus ist endgültig verschwunden!

Bei zwei Befahrungen der Grube Eichholz I im März 1996 konnte ich die früher mit Bleierz und rotbraunen Letten gefüllte Kluft in Augenschein nehmen. Bleierz fand sich nicht mehr. Im Kalkspatgang selbst findet man gelegentlich Bleiglanz, Siderit, Mangan und andere Mineralien. Auf der 8. Sohle befindet sich nördlich des alten Schachtes in der Firste ein neuer Schacht (siehe Abb. 155 unten). Da dieser Schacht auf den anderen Sohlen nicht ansteht, vermute ich, dies ist nur der Ansatzpunkt eines Aufbruchs, der später mit dem bis zur 2. Sohle geteuften Schacht durchschlägig werden sollte. In diesem Zusammenhang wäre es für mich sehr interessant einmal das Grubenbild zu sehen.


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