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13.36 Eichholz 1 (Thülen)
Nr. 36 der Übersichtskarte
Auch diese Grube baute auf der Immentalstörung. Als ich diese Grube kennenlernte,
lag sie schon still. Mit ihrem aus Ziegelsteinmauerwerk bestehendem Fördergerüst sah
sie gar nicht nach einer Kalkspatgrube aus, eher wie eine Feldscheune. Aber ich erinnere
mich noch, ich habe mal seinerzeit in den Schacht geschaut. Dort hing noch das Fördergefäß
am Zwischengeschirr, Bohrhammer mit Bohrsäule. Einige Meter Gummischlauch lagen noch
im Fördergefäß (Abb. 147). Man hatte das Bohrgezähe wohl hochgezogen, damit es nicht
auf den unteren Sohlen absoff.
Von Herrn MÜHLENBEIN ist mir bekannt, daß die Firma hier auf Eichholz I bis in alle
Ewigkeit Kalkspat abbauen durfte. Auch erwähnte Herr MÜHLENBEIN, daß man alte
Grubenbaue angefahren hätte. Waren es Grubenbaue aus der ersten Betriebsperiode oder
waren diese Baue noch älter? Denn auf der Immentalstörung kommen noch einige Mineralien
vor, z. B. Blei, Zink, Mangan u.s.w. Bei W. SCHRIEL (16) auf Seite 326 lesen wir:
„Eine solche Bleierz führende Kluft ist auch auf der 28 m-Sohle der Grube Eichholz
im Immental zu beobachten. Auf der mit rotbraunen Letten angefüllten Kluft, die den
Spatgang in einer Breite von 0,50 m kreuzt, traten mehrere Zentner derbe Glasurerze
auf, die mit jüngerem Kalkspat umwachsen sind. An verschiedenen Stellen kann man
beobachten, wie die Erzführung auch den alten Kalkspat durch Einsprengungen von
Bleiglanz weiterhin in ein abbauwürdiges Erz verwandelt hat.
Am 06.04.95 traf ich bei der Suche nach der Grube Stiggen in Madfeld durch Zufall
auf den Spatbergmann Franz SCHMIDT. Er war bis zu seinem 65. Lebensjahr auf der
Grube Eichholz 1 beschäftigt. Franz SCHMIDT erzählt: "Geboren bin ich 1905, mein
Vater Heinrich SCHMIDT war auch Bergmann und zwar auf der Kupfergrube in Niedermarsberg.
Ich war 1943 auf dem Weg nach Rußland zur Ostfront. Da kam meine UK-Stellung (unabkömmlich).
Mein Kompaniechef sagte mir noch: „Mensch haben sie ein Schwein, machen sie daß sie nach
Hause kommen." So nahm ich meine Arbeit auf Eichholz I auf.
Die Belegschaft bestand aus 3 Mann, davon 2 Mann unter Tage. Pro Mann mußten wir 10 Kübel
Spat laden und fördern (1 Kübel = 1O Zentner). Am 11.02.44 stürzte mein Kumpel in den Schacht
und kam zu Tode. Er ist auf der Fahrte (Leiter) ausgerutscht und im oberen Bereich des
Schachtes, da wo es immer durch die Grubenwetter so feucht ist, durch den Bretterverschlag
in den Förderschacht gefallen. Die Leute erzählten dann, er wäre zu Tode gekommen, weil
er nicht gottgläubig war und immer über Gott lästerte. Als Erinnerung an meine Bergmannszeit
im Spat habe ich noch meine Karbidgrubenlampe." (der Firma SCHARLACH aus Nürnberg)
Angesichts der geringen Belegschaftstärke im Spatbergbau bin ich doch sehr erschrocken
über die relativ vielen tödlichen Unfälle. Hier wird wohl oft Leichtsinn und Unkenntnis
eine Rolle gespielt haben. Aber man kann als Spatbergmann auch sehr alt werden. Als ich
Franz SCHMIDT traf, war er schon 90 Jahre alt und er beschäftigte sich noch mit seinen
Urenkeln.
In den Jahren nach 1968 versuchte man noch nördlich vom alten Schacht mit Hilfe eines
Seilbaggers einen neuen Schacht zu teufen. Der Spatbergmann und Aufsichtshauer Josef
STEFFEN bediente diesen Bagger. Mit Hilfe eines 5 Zentner fassenden Kübels zog man
Spat und Dreck aus dem Schacht. Der Dreck wurde auf die Halde gekippt, den Spat kippte
man auf einen Lkw-Anhänger. Geteuft wurde dieser Schacht bis zur 2. Sohle.
Im Februar 1996 fand ich den Förderschacht von Eichholz I zum größten Teil schon
verstürzt. Man wartet noch auf ein Gutachten, wie man die oberen Sohlen nach Auflage
des Bergamtes verfüllen soll. Die Rampe, Halde, Förderschachthaus und Betriebsflächen
sind schon eingeebnet. Eines der letzten sichtbaren Zeugnisse des Briloner Bergbaus
ist endgültig verschwunden!
Bei zwei Befahrungen der Grube Eichholz I im März 1996 konnte ich die früher mit Bleierz
und rotbraunen Letten gefüllte Kluft in Augenschein nehmen. Bleierz fand sich nicht
mehr. Im Kalkspatgang selbst findet man gelegentlich Bleiglanz, Siderit, Mangan und
andere Mineralien. Auf der 8. Sohle befindet sich nördlich des alten Schachtes in der
Firste ein neuer Schacht (siehe Abb. 155 unten). Da dieser Schacht auf den anderen
Sohlen nicht ansteht, vermute ich, dies ist nur der Ansatzpunkt eines Aufbruchs, der
später mit dem bis zur 2. Sohle geteuften Schacht durchschlägig werden sollte. In diesem
Zusammenhang wäre es für mich sehr interessant einmal das Grubenbild zu sehen. |