Quelle: "Höhlen des Sauerlandes" von Walter Sönnecken, 1966, S. 48-51


Die Rösenbecker Höhle

Auf den Briloner Höhen, unweit des Ortes Rösenbeck, liegt in einer flachen Geländemulde ein kleinerer Kalksteinkomplex aufgeschlossen. Von dem Wanderweg, der hier über die Höhen führt, bietet sich dem Wanderer ein herrlicher Fernblick. Die welligen und sanft gewölbten Wiesen und Äcker fügen sich harmonisch in das Gesamtbild der bewaldeten Höhen ringsumher. Niemandem würde es auch nur im entferntesten in den Sinn kommen, hier oben nach Höhlen zu suchen. Das Erstaunen ist daher groß, beim Durchschreiten einer Geländemulde plötzlich vor einer kleinen Kalksteinwand zu stehen, an deren Fußende sich das Portal zu einer größeren Höhle befindet (siehe Foto oben).

Von hier aus bis etwa 100 Meter vor dem östlich gelegenen Dorf Rösenbeck zieht sich ein scharfkantiger Einsturzgraben hin, der von einem Bächlein durchflossen wird. Dieser Graben zieht sich vom Dorf aus gesehen zunächst nach Westen hin und biegt dann nach Norden um, bis er an seiner tiefsten Stelle plötzlich vor einer zweiten, etwa 50 Meter vor der zuerst genannten, aber tiefer liegenden Felswand endet. Das stark schüssige Wasser des Baches staut sich aber nicht, sondern fließt ungehindert unter dieser Felswand ab, um nicht mehr gesehen zu werden.

Nach Angaben des Bauern Schmidt sollen Vermessungsbeamte einer SS-Einheit wärend des II. Weltkrieges Untersuchungen mit Wasserverfärbungen vorgenommen haben, wobei festgestellt wurde, dass das Wasser etwa 10 Kilometer weiter bei dem Orte Alme in nordwestlicher Richtung wieder zutage tritt.
Es spielt sich also der gleiche Vorgang ab, wie er sich einmal vor langen Zeiträumen, etwa während der Interglazials, als der jetzige Einsturzgraben noch mit der Althöhle gleichhoch lag, abspielte und das Wasser seinen Weg durch die Höhel nahm.

Außer der genannten großen Höhle weist der hier aufgeschlossene Massenkalk noch mehrere Spalten und kleinere Höhlen auf. Die gesamte Länge mit Spalten und Nebengängen wird mit 450 Meter angegeben. (Quelle: Baatz, Karl, Sonderdruck aus: Mitteilungen über Höhlen und Kaarstforschung Deutscher Höhlenforscher Verband. 1933, H. I. Berlin)
Etwa 100 Meter neben der großen Höhle lassen mächtige Kalksteinblöcke, kahle Felswände und mit Gesteinsschutt angefüllte Spalten erkennen, dass hier ehemals eine zweite Höhle bestand, die aber völlig verstürzt ist. Ob sie, wie ihre Schwester nebenan, auch kulturgeschichtliches Gut barg, ist nur noch durch eine Grabung festzustellen.

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Quelle: Gebietsnr.: DE 4518-304 Habitate 94/4, Kommission der Europäischen Gemeinschaft, DG XI.D.2 - RICHTLINIE 79/409/EWG DES RATES über die Erhaltung von wildlebenden Vogelarten und RICHTLINIE 92/43/EWG DES RATES zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen


4.1. Allgemeine Gebietsmerkmale:
Moore, Sümpfe, Uferbewuchs 10 Prozent
Feuchtes und mesophiles Grünland 28 Prozent
Laubwald 60 Prozent
Binnenlandfelsen, Geröll- und Schutthalden, Sandflächen, permanent mit Schnee und Eis bedeckten Flächen 2 Prozent

Grosshöhle und Spaltenhöhle im Massenkalk auf der Briloner Hochfläche. Höhleneingänge am Süd- und Nordrand eines kleinen, z.T. mit Felsklippen durchsetzten Waldmeister- Buchenwaldes.
Geowissenschaftlich bedeutende gut erhaltene Höhlen, bedeutendes und seit langem bekanntes Fledermauswinterquartier. Aktuelles Artenspektrum unbekannt.

Literatur: Schröpfer, R., R. Feldmann & H. Vierhaus (Hrsg) (1984): Die Säugetiere Westfalens. - Abh. Westf. Mus. Natkde. 46 (4). Münster.


Die Rösenbecker Höhle im Internet. Dort heißt es u. a.: "Die Rösenbecker Höhle ist eine geowissenschaftlich bedeutende Großhöhle im Naturraum Sauerland, die nicht touristisch erschlossen ist und somit auch nicht öffentliche zugänglich ist. Sie wird auch "Höllenloch" oder "Ziegentempel" genannt und liegt auf der Briloner Hochfläche im Massenkalk des oberen Mitteldevon. Es handelt sich um eine Großhöhle von 1.350 m Länge mit langen Gängen und geräumigen Hallen sowie Tropf- und Sickerwasser.

Sie liegt am Südrand eines feldgehölzartigen älteren Laubwaldbestandes, der sich über den nördlichen Teil der Höhle erstreckt. Es handelt sich um einen felsklippenreichen Waldmeister-Buchenwald. Im Südosten des Höhleneingangs befindet sich ein Schwalgloch. Das Umfeld wird von Grünland eingenommen, das überwiegend intensiv genutzt wird.

Sie zählt zu den bedeutenden und seit langem regelmäßig aufgesuchten Fledermauswinterquartieren im Sauerland. Bis Anfang der 80er Jahre wurden 7 Arten nachgewiesen, u. a. Teichfledermaus, Fransenfledermaus, Kleine Bartfledermaus. Subfossile Knochenfunde belegen die traditionelle Nutzung dieses Quartiers durch Fledermäuse. Vorrangige Schutzmaßnahmen sind der Erhalt der als Naturdenkmal (ND) ausgewiesenen Höhle und ihrer Umgebung. Fläche = ca 3 ha.

Sage: Um das Hollenloch rankt sich die Volkssage der Frau Holle-Hulda, Wotans Gemahlin und Fruchtbarkeitsgöttin. Man erzählt sich, von der Höhle reiche ein Gang bis nach Brilon. Eine Bäuerin lief darin hinter ihrem Kalb her, und kam unter dem Rathaus wieder nach oben. War die Stadt belagert, entwischten so die Boten, um Hilfe zu holen. Sie besitzt zwei große Hallen, in denen die Menschen Zuflucht fanden. Sie ist sehr groß und verzweigt."



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