Quelle: "Höhlen des Sauerlandes", 1966, Walter Sönnecken, S. 105-106

Draken-Höhle

...Der Bilstein und Eresberg bilden das Tor zum Leitmarer Tal, das wegen seiner Liebreize zu den schönsten Tälern Westfalens zählt. Genau wie im Hönnetal ragen hier zum Verwechseln ähnlich gewaltige Felsen in die Höhe. Schon wenige hundert Schritte hinter der am Eingang des Tales gelegenen Kupferhütte befindet sich eine Kalksteinwand, die uns lockt, näher zu treten. Wie vermutet, ist hier der Eingang zu einer geräumigen Höhle (Am weißen Stein). Sie zeigt große Ähnlichkeit mit der Höhle "Im Hohlen Stein" bei Kallenhardt. Etwas weiter talaufwärts befinden sich drei weitere, kleinere Höhlen (Leitmarer Höhlen). Ob diese Höhlen kulturgeschichtlich von Bedeutung sind, konnte nicht festgestellt werden.

Über eine steil bergan führende Straße gelangt man auf den Eresberg. Dieser Berg trug einst die Irmensul, das größte Heiligtum unserer heidnischen Vorfahren. Karl der Große hatte die Eresburg erobert, ließ die Irmensul zerstören und den Berg gefestigen.

Der Rest des Turmes zeugt heute noch von der starken Befestigungsanlage, die durch Schweden und Hessen im Jahre 1646 zerstört wurde. Unterhalb dieses Turmes, am Steilhang des Berges, befinden sich zwei Höhlen. Die obere ist nur wenige Meter lang und besteht aus zwei übereinander liegenden Kammern. Von erheblich größerem Interesse ist dagen die untere Höhle (Draken-Höhle) (Abb.43). Sie hat fünf Eingänge und drei hintereinander liegende Hallen, die in ihrer Architektur an gotische Gewölbe erinnern. Es scheint sich nicht um eine Naturhöhle zu handeln; zum mindesten haben Menschenhände wesentlich an der heutigen Gestalt der Höhle mitgewirkt. Der Name Draken-Höhle wird mit Drachen-Loch übersetzt und scheint ein Überbleibsel mittelalterlicher Legenden zu sein.

Nach einem alten Bericht soll noch im späten Mittelalter die Höhle zu Kultzwecken benutzt worden sein. Ebenso soll - eines erscheint mir so unwahrscheinlich wie das andere - ein Gang von hier zum alten Rathaus der Oberstadt führen. Wenigstens konnten keine Merkmale festgestellt werden, die auf einen abzweigenden Gang schließen ließen.

Hier sei noch der Hinweis erlaubt, dass sich immer noch zu wenig Heimatfreunde mit den Schönheiten der Bergwelt, über Werden und Vergehen der Heimat vertraut machen. Unser aller Aufgabe sollte es sein, mehr als bisher auf alles Heimatkundliche zu achten und selber Höhlen und Fundmaterial in Augenschein zu nehmen. Jeder einzelne muss mit diesen Dingen vertraut werden. Also hinein in die Heimatmuseen und hinein in die Wälder und Weiten der Heimat. Erst dann kann gesagt werden, dass man seine Heimat wirklich kennt.



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