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Quelle: "Unterirdische Zauberreiche des Sauerlandes", 1967, Heinrich Streich, S. 99
Grube Hirschfeld
"Pfropfen" dichtet den Schacht ab
12.09.2006 / LOKALAUSGABE / WARSTEIN
Im Lokalteil Warstein. (ednn) Die Pergamentkarten hatten sich verzogen und so steht das "Haus für Kinder" am Mühlenbruch am falschen Platz. Nämlich nicht direkt auf dem einstigen Schacht der Grube Hirschfeld. Die Folge: Nun befindet sich die potenzielle Gefahr im Grün-Bereich der Kindertagesstätte. Seit Montag wird sie beseitigt, indem eine Zementmasse in den Boden gebracht wird, der einen "Pfropfen" bildet. Bislang ist das 50 Meter tiefe Loch locher durch Schotter abgedichtet.
Hirschfeld-Schacht bald endgültig dicht
12.09.2006 / LOKALAUSGABE / WARSTEIN
Warstein. "Die Menschen hier haben gar keine Affinität mehr zum Bergbau", weiß Diplom-Bergingenieur Michael Roehnert. Bergbau in Warstein? Da war doch was! Ja, im 19. Jahrhundert wurde in der Grube Hirschfeld Eisenerz geborgen. Die alte Geschichte ist plötzlich wieder aktuell. Denn nachdem vor einigen Jahren ein Anwohner einen Schaden am Haus meldete, wunderten sich Experten: Nach den Plänen hätte es an dieser Stelle eigentlich keinen Bergschaden geben dürfen. Doch so offenbarte sich, dass sich die vorhandenen Pläne, einst auf Pergament gezeichnet, verzogen hatten. Mit weitreichenden Folgen: Das "Haus für Kinder" am Mühlenbruch ist auf einem Schacht des einstigen Erzbergwerks errichtet. So dachte man jedenfalls. Nun aber verschoben sich die Daten um einige Meter und plötzlich befand sich der ehemalige Stollen mitten auf dem Rasen, so dass nicht auszuschließen war, dass sich plötzlich ein Erdloch auftut. Passiert ist freilich bislang nichts. Aber das Bergamt ist vorsichtig, will kein Risiko eingehen. So wurde beschlossen, den mit Schotter eher locker verfüllten Schacht (das ergaben Bohrungen im Jahre 2004) nun mit einem "Pfropfen" endgültig zu sichern. Dass es allerdings erst jetzt dazu kommt, liegt daran, dass zunächst unklar war, wer für die Kosten, rund 100 000 Euro, aufkommen muss. Schließlich erklärte sich das Land dazu bereit, die Kosten zu übernehmen, da sich die Rechtsnachfolger des Bergwerks erfolgreich dagegen zur Wehr gesetzt hatten (die Anlage wurde immerhin vor 130 Jahren geschlossen). Nachdem die Kostenfrage nun geklärt ist, konnte unter Leitung von Diplom-Bauingenieur Michael Roehnert, einem öffentlich vereidigten Sachverständigen für Altbergbau, mit den Arbeiten auf dem Gelände des Kindergartens begonnen werden. Am Montag begannen die etwa drei Wochen dauernden Arbeiten. Zunächst wurden das Silo für Zement und der Mischer aufgebaut sowie die Baustelle errichtet; geschützt durch einen Zaun können die Kinder der Einrichtung das weitere Geschehen verfolgen. Ein großes Loch gibt es jedoch nicht zu bestaunen; die moderne Technik macht es möglich, dass nicht 50 Meter tief gebohrt oder gar ausgeschachtet werden muss. Stattdessen werden zwei 20 Meter tiefe Löcher gebohrt, in die Textilschläuche eingelassen werden. In diese wird danach eine Zementmischung gepresst, so dass sich die Schläuche von 150 auf 400 Millimeter Durchmesser ausdehnen. Weitere sechs Bohrungen sorgen für zusätzliche Stabilität - bei ihnen strömt die Zementmischung horizontal in mehreren Schichten aus und verbindet sich so mit dem vorhandenen Schotter zu einem dauerhaften "Pfropfen". Roehnert: "Mit Splitt geht das gut." So genanntes Bohrklein, das die Bodenzusammensetzung in den einzelnen Bodenschichten dokumentiert, hilft bei den Planungen. Der Bergbau-Experte ist sich sicher, dass es noch weit mehr alte Verbindungen zum Stollensystem, vor allem Wetterschächte, gibt. Denn Roehnert hat schon viele Gespräche mit Warsteinern geführt, die ihm bei seiner Arbeit geholfen haben. Denn: Das vorhandene Karten- und Archivmaterial hilft vielfach nicht weiter. Wie so oft bei alten Stollen.
Von Manfred Böckmann
Quelle: Bericht über die Tätigkeit der Bergbehörden
des Landes Nordrhein-Westfalen im Jahr 2003
Untersuchung im Bereich eines Schachtes
Aufgrund von plötzlich aufgetretenen Rissschäden an
einem Wohngebäude im Bereich eines Schachtes der ehemaligen
Eisenerzgrube Hirschfeld in Warstein (Bergamtsbezirk
Kamen) wurden im Juni 2003 entsprechende
Untersuchungen zur Standsicherheit der Tagesoberfläche
durchgeführt.
Zunächst wurde mit Hilfe feinseismischer Messungen
(GeoSONAR) die Lage des Schachtes eingegrenzt.
Anschließend wurde die Lage und die Verfüllung des
Schachtes mittels Spülbohrungen verifiziert.
Der Gutachter kommt auf der Grundlage der Untersuchungen
zu dem Ergebnis, dass die Rissschäden an dem
Wohngebäude auf das Setzen der Füllsäule der ehemaligen
Tagesöffnung im Fundamentbereich der Hauswand
zurückzuführen sind. Ursächlich hierfür ist mit großer
Wahrscheinlichkeit das Versickern von Niederschlagswasser
mit einhergehendem Masseverlust im Feinkornbereich
durch Abtransport in den Schacht.
Quelle: Beschreibung der Bergreviere Arnsberg, Brilon und Olpe, Bonn, 1890, S. 96 - 98 |