Quelle: www.7Grad.org Foren-Übersicht » Altbergbau » Altbergbau in NRW » Die Weisse Kuhle bei Marsberg Autor: Daniela, Alter: 35, Anmeldungsdatum: 06.03.2006, Beiträge: 110, Wohnort: Osnabrück Verfasst am Freitag, 25 August 2006, 16:52, Titel: Die Weisse Kuhle bei Marsberg

Die Weisse Kuhle

Meine erste richtig schwierige und nicht ganz ungefährliche Höhlenbefahrung habe ich unter Führung von Hans Morlo im August erlebt. Ich bin wirklich begeistert und froh, daß ich es ohne Probleme geschafft habe. Denn diese Höhle ist nichts für Menschen, denen Enge ein Dorn im Auge ist. In der weissen Kuhle kann man wirklich nur an einer Stelle stehen. Der Rest ist nur kriechend- egal ob Bauch oder Rücken zu erreichen. Der schwierigste Teil aber ist das Erreichen der Höhle selber. Mehr dazu später.


Erst einmal stelle ich die Höhle vor: Die Weiße Kuhle befindet sich im Südosten von Marsberg, in einem aufgelassenen Steinbruch am südwestlichen Fuße des Höling.

Allgemeines: Die Höhle ist bekannt als beliebtes Ausflugsziel und wurde 1968 von H. STREICH näher beschrieben. Er gibt die Gesamtganglänge der Höhle mit 195 m an und berichtet von Knochenfunden des Höhlenbären aus der Weißen Kuhle. Der Plan von E. PERKUHN (1967) ist schon sehr genau; nach ihm beträgt die Gesamtganglänge der Höhle ca. 220 m. 1989 berichtet H. KAMPMANN über die Geschichte der Weißen Kuhle und der Höhlenbären.

Die Weiße Kuhle hat sich im Zechsteinkalk des Marsberger Raumes gebildet, der sich im Perm vor gut 250 Mill. Jahre hier abgelagert hat. Der Steinbruch am Höling wurde schon im 12. oder 13. Jahrhundert betrieben, was die Baustoffe der Obermarsberger Stiftskirche und Nikolaikirche beweisen. Erst Anfang der 70er Jahre dieses Jahrhunderts wurde der Steinbruchbetrieb eingestellt (H. KAMPMANN, 1989); das jetzige großräumige Eingangsportal wurde dabei künstlich erweitert. Der ehemalige Haupteingang der Höhle, heutiger Nebeneingang, befindet sich nun l 1,3 m über der Sohle.

In der Weißen Kuhle sollen nicht nur Knochen vom Höhlenbären gefunden worden seien, sondern auch vom Wisent und vor allem vom Menschen, wobei letztere nicht genau belegt werden können (H. KAMPMANN, 1989). [Inzwischen wurden weitere Tierarten durch entsprechende Knochenfunde nachgewiesen (MOREO, M. & NAGEE & MORLO, 2000).]

Raumbeschreibung
Das künstliche Eingangsportal der Weißen Kuhle ist 27 m lang, 20 m breit und 18 m hoch. Der großräumige Blockversturz der Eingangshalle geht in östlicher Richtung in Lehm über. Hier befindet sich auch eine natürliche Kluft, die jedoch in südlicher Richtung bald für Menschen zu schmal endet. Eine 11 m hohe Steilstufe vor dem nordnordwestlichen Ende der Eingangshalle, verhindert die Befahrung des eigentlichen Höhlensystems. Dieses wird durch den weiter nordwestlich gelegenen Nebeneingang der Höhle erreicht.

Der breite Gang, der wohl ebenfalls teilweise künstlich erweitert wurde, quert den gewaltigen Portalraum auf einer "Galerie" und steigt bis auf + 15,6 m an. Kurz vor Erreichen der eigentlichen Höhle sind an der linken Wandseite natürliche, enge Klüfte aufgeschlossen, die einen kleinen Rundgang darstellen. Hier können auch sehr schöne Karrenbildungen studiert werden.

Nach Queren der Galerie öffnen sich zwei Höhlengänge, der Wilhelmsgang und darüber der Hubertgang. Am Beginn dieses oberen Ganges, ein herrlicher Profilgang von etwa l m Höhe, entdeckten hessische Höhlenforscher 1987 am Grunde einer schmalen Kreuzkluft nach nur kur zer Grabung einen niedrigen Profilgang, der leider in beide Riehtungen verlehmt endet. Interessant sind hier nur kleinere Knochenlager, die bisher nicht näher bestimmt wurden. Gegenüber dieser Stelle kann man etwa 4 m hoch in einen schmalen -»Schlot klettern.

Der ostsüdöstlich verlaufende Hubertgang verzweigt sich bald, wobei beide Gangfortsetzungen in eine niedrige Kammer führen. Der Lehmboden geht hier in -»Sinterboden über. Leider sind die ehemals reichen •»Versinterungen in diesem Teil der Höhle arg verschmutzt und beschädigt worden. Am südlichen Ende dieser Kammer mündet ein fast kreisrunder Abstieg in einen geräumigen Profilgang, der nach zwei Steilstufen von jeweils knapp 2 m in den Thiele-Dom führt.

Am nordöstlichen Ende der flachen Kammer setzt sich der Hubertgang mit einer Engstelle fort, die in einen kleinen Raum mündet und in eine aufwärts führende Röhre übergeht. Dieser Hubertgang knickt schon nach wenigen Metern nach Osten um, fällt schräg ab und trifft dann auf einen hohen Profilgang. Am Anfang dieses mäandrierenden Ganges führt ein Schacht in südlicher Richtung in die Tiefe, die so genannte Hohe Spalte, deren unterer Bereich auch auf Umwegen erreicht werden kann. Der gut 2 m hohe Mäander führt erst in Richtung Südosten weiter, geht dann in eine südlich verlaufende Kluft über, die unterhalb einer kleinen Steilstufe in die Endhalle führt. Dieser 6 x 3,5 x 3 m messende Raum endet in südsüdöstlicher Richtung verstürzt. Fortsetzungen hinter dem Versturz sind sehr wahrscheinlich.

An der ostsüdöstlichen Wandseite der Endhalle kann durch Versturz weiter aufgestiegen werden in einen hohen Raum, der im Versturz endet. Hier befinden sich kleinere Tropfsteingebilde. Das Höhlensystem hat hier seinen höchsten Punkt bei + 20 m erreicht. An der Stelle in der Endhalle, an der durch den Bodenversturz in Richtung Hohe Spalte abgestiegen werden kann, beginnt westlich ein enger Röhrengang, der eine Verbindung mit dem folgend beschriebenen Profilgang bildet. Unterhalb der Endhalle schließt sich ein Profilgang an, der erst südwestlich, dann nordwestlich verläuft. An der Decke dieses Ganges endet der eben beschriebene Röhrengang. Unterhalb dieser Deckenröhre zweigt noch ein breiter aber niedriger Gang nach Osten ab, der jedoch verlehmt endet. Der mannshohe Hauptgang knickt schon bald nach Westen um und führt auf zwei Wegen (über den großen Block und unten durch) in die Hohe Spalte, die - wie oben erwähnt - an ihrem oberen Ende vom Hubertgang angeschnitten wird.

Diese stark versinterte Kluft geht in südlicher Richtung in geräumigen Versturz über. Von der Hohen Spalte zieht sich ein breiter, stark verstürzter Gang nach Südosten hin. Er geht in den flachen Tellersaal über, der seinen Namen bekommen hat, weil er fast kreisrund ist, was einem jedoch erst klar wird, wenn man ihn kriechend umrundet hat. Dieser Raum (11 x 8 x 0,6 m) taucht langsam im Lehm ab. Nur in Ostsüdost-Richtung befindet sich eine Fortsetzung des Raumes, die jedoch auch schon bald im Lehm versinkt.

Hier konnte von uns 1989 nach nur kurzer Grabung der Knochen-Schluf entdeckt werden. Dieser zuerst ostnordöstlich verlaufende, niedrige aber breite Gang knickt bald nach Norden um und endet schließlich in nordöstlicher Richtung in einer Kammer (40 cm hoch, 2 m lang und l ,50 m breit). Dort endet auch ein -»Schlot mit Sinter. Von hier aus kann man etliche Meter nach vorn und nach beiden Seiten in den spannenhohen Raum hinein sehen. Wir konnten hier kleinere, sicherlich eingeschwemmte Knochen finden, die bisher noch nicht bestimmt wurden. Weitere Höhlenteile könnten hier entdeckt werden, jedoch ist hier eine Grabung sehr anstrengend.

Am Grunde der Hohen Spalte kann in westlicher Richtung durch Versturzblöcke in den Thiele-Dom (13 x 7,5 x 2,5 m) abgestiegen werden. In die Decke dieses Raumes mündet ein breites Profil ein, welches eine Verbindung mit dem überlagernden Gangsystem bildet. Steigt man über zwei Steilstufen von jeweils knapp zwei Metern hoch, erreicht man die oben beschriebene niedrige Kammer im Hubertgang.

Der Thiele-Dom geht hinter einer kleinen Steilstufe in den Wilhelmsgang über, der ein schönes Profil besitzt. Durch diesen Gang wird eine größere Kammer erreicht, an deren südlicher Wandseite ein blinder -»Schlot in die Höhe führt. Die stark verstürzte Kammer steigt in Nordwest-Richtung steil an und erreicht wieder die Galerie des Höhlenportals unterhalb des Hubertganges. Die Höhle hat nach dieser Vermessung eine Gesamtganglänge von 297 m, bei einem Höhenunterschied von 22 m.

Aussagen zur Höhlenentstehung
Die Weiße Kuhle verläuft nahezu hangparallel. Die überwiegend -»phreatischen Rauinformen des Höhlensystems deuten auf eine Bildung im langsam fließenden Grundwasserkörper hin. Laugdecken und -näpfchen bekräftigen diese Aussage. Die Höhle gliedert sich in zwei Hauptstockwerke, die durch mehrere Gänge untereinander verbunden sind, wobei das obere als das ältere gelten kann. Hier herrschen -»phreatische Raumformen vor, wobei die phreatischen Gänge des unteren Stockwerkes stark -»vados überformt wurden.

Entgegen dem recht engräumigen oberen sind im unteren Stockwerk größere Räume anzutreffen, die jedoch starken Verbruch aufweisen, der durch die Sprengungen im Steinbruch stark begünstigt wurde (s. H. STREICH, 1968). Auch kann anscheinend der dünnbankige Zechsteinkalk keine größeren Räume bilden, da er unter dem Gebirgsdruck schnell nachbricht. Weitere Untersuchungen könnten hier interessante Ergebnisse über die Tragfähigkeit des Zechsteinkalkes geben.

Unterhalb des jetzigen Nebeneinganges der Weißen Kuhle ist eine dünne Sandsteinschicht aufgeschlossen. Diese konnte zwar noch nicht in der Höhle beobachtet werden, es besteht jedoch die Möglichkeit, dass sich das Höhlensystem an dieser Grenzschicht ausgebildet hat. Weitere Untersuchungen könnten hier Klarheit schaffen. Ich war übrigens fasziniert, als ich mir die Funde aus der Kuhle ansehen durfte: Schädel vom Höhlenbär, Werkzeuge, Menschenknochen, Menschenschädel....die Höhle gabe es schon vor dem Rhein. Sie ist sehr versteckt, ich werde natürlich auch nicht verraten, wo sie genau ist.


Quelle: Privatarchiv Martin Zimer

Die Weisse Kuhle bei Niedermarsberg

Die Höhle liegt in einem stillgelegten Steinbruch. Eingang 8 Meter breit, 8 Meter hoch, Tiefe des Portals ca. 10 Meter, Höhe über Talsohle (Glinde) 45 Meter. Im Eingangsbereich oben rechts sehr versteckt der eigentliche Zugang zum System. Bisherige gemessene Ausdehnung 165 Meter, doch die Gesamtlänge könnte bei 1,5 bis 2,0 Kilometer liegen. Gangverlauf verwirrend (u. a. Kriechgänge mit waagerechten und vertikalen Gangspalten). Einstmals eine Flußhöhle im Zechkalk, viele Fossilienfunde (u. a. Höhlenbär).
Im Eingangsbereich Inschriften in Stein gehauen, bisher nicht gedeutet. Jahreszahl 1596 erkennbar. Höhle trägt nach dem früheren Besitzer auch den Namen "Johann-Emmerich-Höhle".


Quelle: "Unterirdische Zauberreiche des Sauerlandes", 1967, Heinrich Streich, S. 103