Quelle: "Unterirdische Zauberreiche des Sauerlandes", 1967, Heinrich Streich, S. 103

Liet-Höhle


Quelle: "Eine Kulturschande", Heimatliebe - Heimatschutz, Beilage zu den Lüdenscheider Nachrichten, 26.08.1954

Eine Kulturschande
Frevlerhände vernichteten die Stalagmiten in der Höhle "Am hohen Liet"


Als 1948 im Steinbruch des Rangetales bei Warstein die Höhle "Am hohen Liet" aufgeschlossen wurde,, waren viele Menschen beglückt ob des Kleinodes, das, Jahrhunderttausende im Schoß der Erde verborgen, nun dem menschlichen Auge sichtbar wurde. Professor Dr. Lotze, Münster, Direktor des Geologisch- Paläontologischen Instituts der Universität, erforschte das Höhlensystem und schrieb in seinem Gutachten:

"Während die normalen Tropfsteingebilde der neuen Höhlen keine Besonderheit gegenüber den entsprechenden Steinen anderer Höhlen bilden, sind die übrigen zarten Kristallskelette, Kalzitröhrchen, -stengel und -büschel Elemente, die weder in der Bilsteinhöhle noch in anderen westfälischen Höhlen auftreten. Ich habe sie bisher nur in der Höhle von Aracena in Südspanien beobachtet. Durch die Entdeckung der Liethöhlen ist uns ein Wunderwerk der Natur geschenkt worden, das liebevoll zu pflegen und zu erhalten unser aller Anliegen sein muss."

Professor Lotze, die Naturschutzbehörden und -beauftragten, vor allem der wackere Beauftragte Theodor Pitz bemühten sich mit ganzer Kraft, den gesetzlichen Schutz der Höhle zu erreichen, und die besitzergemeinde Wrstein, stolz auf den Schatz im Berge, half nach bester Kraft, den Steinbruchbesitzer schadlos zu halten. Im Jahre 1950 konnten die Naturschutzbehörden in Arnsberg und Lippstadt die Verordnung über die Sicherung der Tropfsteinhöhle "Am Hohen Liet" im Amtsblatt der Regierung Arnsberg veröffentlichen.

Nun haben Frevlerhände in der Höhle ihr Unwesen getrieben. Der Eingang zur 20-Meter-Spalte wurde gewaltsam aufgebrochen und die Stalagmiten sowie der größte Teil der langen Tropfröhren zerschlagen. Von ihnen sind nur noch zwei oder drei in ihrer ganzen Länge vorhanden. Die auf dem Bild im Vordergrund stehenden beiden Stalagmiten sowie der schöne, von der Decke hängende lange Zapfen und das rechts dahinter befindliche, an einer Tropfröhre hängende Pendel sind verschwunden. Was Gottes Schöpferkraft in langen Zeiträumen im Schoße der Erde entstehen ließ, hat ein Mensch in einer einzigen Stunde für immer vernichtet.

Für einen gefällten Baum kann Ersatz geschaffen werden. Ein zerbombtes Bauwerk wird wieder neu errichtet. Selbst ein Meisterbild mag in etwa ersetzt werden. Was aber im Rangetal sich zugetragen hat, ist unwiederbringlich verloren. Das Menschenauge wird das Wunderwerk nie mehr schauen dürfen. Die Missetat aber ruft in alle Lande das wahre Wort vom Sterben der Ehrfurcht und dem Abfall von Gott. "Ein Urkundenbuch der Natur wurde brutal zerschlagen." Lkpr.