BAD BELECKE - MÖHNE
Das Kaiser-Heinrich-Bad an der Möhne
und seine Umgebung

Ein Bildband von Otto Ernst Wülfing (1953)

BELECKE - ein liebliches Badestädtchen

Auf hohem Bergesrücken erhebt sich das schöne Städtchen Belecke, eingerahmt von grünen Wiesenteppichen, durch die sich die Möhne und Wester hinschlängeln. Heute noch kann man erkennen, daß diese Bergfeste einstmals nur schwer einzunehmen war, weil der Berg nach drei Seiten hin steile Abhänge zeigt.
Über tausend Jahre Geschichte kennt das Städtchen. Es weiß von durchziehenden Fürsten und Königen, von großen Kämpfen zu erzählen. Sogar ein Kaiserpaar hat hier geweilt und in der heutigen, nach diesem Kaiser Heinrich II. benannten Heilquelle gebadet. Schon vor tausend Jahren hatten sich die Liudolfinger


hier ein Kastell erbaut. Heinrichs I. junger Sohn Heinrich wurde hier im Jahre 938 von seinem Halbbruder Tangmar gefangengenommen. Im gleichen Jahre legte der königliche Bruderkampf zwischen Otto dem Großen und Tangmar das Kastell Baduliki nach hartem Ringen in Trümmer.
Eine besondere Schönheit bilden die Kübelsteine, gewaltige Naturfelsen, die einen so prächtigen Fernblick auf das Möhnetal, auf den langgestreckten Arnsberger Wald und die Nachbarorte gewähren. Hier, an diesen Steinen, werden einst die alten Sachsen ihren Göttern Opfer dargebracht haben. Wie zum Wandern geschaffen ist der Arnsberger Wald, er zeigt dem aufmerksamen Naturbelauscher eine unendliche Fülle von Tier- und Pflanzenschönheiten.
Immer lebte ein tapferer Volksschlag in diesen Bergen. Das mußten die Soester anerkennen, als sie in der Soester Fehde (1444 bis 1448) auch Belecke erstürmen wollten, nachdem sie die Städte der Umgegend zerstört hatten. Mit blutigen Köpfen mußten nach vergeblichen Anstürmen wieder abziehen; noch heute heißt daher ein altes Wort in Belecke: "Biälecke, stuire Saust" (Belecke, steuer Soest). Zum Andenken an jenen ruhmvollen Tag wird noch alljährlich unter Böllerschießen am Mittwoch vor Pfingsten der Belecker Sturmtag gefeiert. An der deutschen Hanse hatte Belecke als Hansestadt dritter Ordnung Anteil.

Erst seit dem Anfang des vorigen Jahrhunderts dehnte sich die Stadt auch im Tale aus. Auf der einen Seite haben sich die Häuser an die Erhebung des Arnsberger Waldes angeschmiegt, nach Norden zu das liebliche Möhnetal besiedelt. In der Nähe der Külbensteine liegt die jahrtausendealte Heilquelle. Kranke, die in ihr Heilung gefunden hatten, hängten zum Zeichen ihrer Dankbarkeit in der nahe gelegenen Kapelle Krücken, Bilder, Medaillons und dergleichen auf, die leider eine verständnislose Zeit um die Jahrhundertwende aus der Kapelle fortgenommen hat. Von den erstaunlichsten Heilungen berichten uns der Mund alter Leute und gelegentliche Aufzeichnungen hie und da in alten Büchern. Seit 1934 hat man die alte Quelle wieder aufgebohrt. Der Erfolg war geradezu glänzend. Die Analyse hat ergeben, daß Belecke sich mit den besten deutschen Bädern messen kann. Das Wasser eignet sich vorzüglich zu Trink- , Bade- und Inhalationskuren. Zwischen dunklen Tannen und ragenden Felswänden erhebt sich das im Schweizerstile erbaute Badehaus.

Nicht wenige Heilungssuchende sind es, die das ganze Jahr hindurch im Heilquell des Kaiser-Heinrich-Brunnens Gesundung und in den weiten Tannenwaldungen Entspannung suchen und finden.
Das Ortsbild wird darüberhinaus von vielen Geschäftsreisenden belebt, die durch die heimische Industrie angezogen werden. Erzeugnisse der Siepmann-Werke, der Stahl-Armaturen GmbH, der AEG Röhren- und Gleichrichterfabrik u. a. finden von hier aus ihren weiten Weg über Deutschlands Grenzen hinaus und künden von deutscher Wertarbeit. Natürliche Schönheit des Landes und großzügige Werksanlagen sind in ein gut ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht. Kein störender Mißklang ist spürbar.
Die Arbeit des Landmannes draußen und die des Werkmannes drinnen in den Betrieben gleicht einer einzigen Symphonie, die dem Zauber dieses lieblichen Fleckchens sauerländischer Erde nichts von seiner Schönheit genommen hat.

(die gesamte Chronik kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden)


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