Geschichte der Stadt Belecke a. d. Möhne
Von Franz Jos. Hilsmann, Redakteur des Central-Volksblattes" in Arnsberg

Selbstverlag des Verfassers - Arnsberg 1899

VORWORT

Eine neue Aera beginnt für das altehrwürdige Belecke, das Badelikum der deutschen Kaiser aus dem Hause Sachsen. Am Fuße der Altstadt Belecke kreuzen nunmehr die beiden Bahnstrecken der Westfälischen Landeseisenbahn: Lippstadt - Warstein und Brilon - Soest. Mit dem alten Badelikum, wo die Soester vor 450 Jahren (1448) bei ihrer vergeblichen Bestürmung des Städtchens eine schwere Niederlage erlitten, ist die ehemalig mächtige Hansestadt Soest jetzt durch einen direkten Schienenweg verbunden. Durch die klassische Gegend, deren Lieblichkeit und Anmuth schon vor nahezu 1000 Jahren die erste Dichterin auf deutschem Boden, Hrotsuita oder Roswitha von Gandersheim in ihrem Heldengedichte zum Preise Kaiser Otto's des Großen besungen, jagt jetzt nach Nord und Süd, nach Ost und West das Dampfroß, sausen die Züge der Eisenbahn.

Wenn man mit all diesen Errungenschaften der Neuzeit, diesen zahlreichen Annehmlichkeiten des heutigen Lebens die Zustände früherer Zeiten vergleicht, - welch' ein Contrast! Aber leider nehmen die Meisten aus Unkenntniß der Vergangenheit das Meiste als gegeben, als selbstverständlich hin, und darin liegt eine Quelle des socialen Uebels.

Erst durch die Kenntniß der heimatlichen Geschichte erhalten wir das richtige Verständniß für die Gegenwart, werden wir des Besitzes erst bewußt und froh, und damit ist der Unzufriedenheit ein natürlicher Damm vorgeschoben. Deshalb gebührt in den socialen Kämpfen unserer Zeit der Pflege der Localgeschichte auch ein hervorragender Platz. Wer sieht, was die Vorfahren erlitten und erduldet, in dessen Herz und Gemüth wird eher Zufriedenheit einziehen als bei Jenem, der ohne Kenntniß der Vergangenheit ist.

Reich an solchen Momenten ist die interessante Vergangenheit des altehrwürdigen Städtchens Belecke. Wenn ich eine kurze Geschichte desselben hiermit der Oeffentlichkeit übergebe, so bin ich hierbei von dem Grundsatze ausgegangen, vor allem den Leser zu unterhalten, historische Wahrheit und Volksthümlichkeit zu vereinigen.
In Bezug auf das Material zur Geschichte Beleckes sei bemerkt, daß die Stadt am 13. April (Charsamstag) 1805 in Flammen aufgegangen ist und mit ihr auch Rathaus und Archiv. Unschätzbares Material ist dadurch zu Grunde gegangen und die Geschichte der Stadt bleibt deshalb für alle Zeiten lückenhaft.

Nachdem die vorliegende Arbeit im vorigen Jahre in feuilletonistischer Darstellung in dem von mir redigirten "Central-Volksblatte" veröffentlicht worden, gab die günstige Begutachtung, welche Autoritäten wie die o. ö. Professoren für mittelalterliche und neuere Geschichte an den Universitäten zu Halle und Breslau sowie an der Kgl. Akademie zu Münster i. W., die Herren Geheimer Regierungsrath Professor Dr. Theodor Lindner, Professor Dr. A. Schulte und Professor Dr. Finke (jetzt in Freiburg i. Br.) über die Arbeit abgaben, mir die Veranlassung zu einer nochmaligen Bearbeitung und zur Veröffentlichung im diesjährigen Bande der Zeitschrift für Geschichte und Alterthumskunde Westfalens.

Arnsberg, im November 1899                                                                Der Verfasser


"Ille terrarum mihi praeter omnes angulus ridet" - Horat. Epod.

Die auf steiler Höhe, unweit des Einflusses des nie gefrierenden Westerbaches in die Möhne, in lieblicher Umgebung gelegene Stadt Belecke hat ihren Namen von den uralten Badeanlagen, die im Möhnethale unterhalb der Stadt am Fuße des Külbenberges liegen (1064 Badelecca und Batelecca, 1072 Badeliko, um 1124 Badelich, Badiliche und Badeliche).

(die gesamte Chronik kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden)


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