1072 - 1997
Nieder- und Oberbergheim
Beiträge zur Dorfgeschichte

erarbeitet von:
Rudi Beneken
Ulrich Grun
Eberhard Grafenschäfer
Ferdi Kühle
Dietmar Lange
Michael Schmitt
Lorenz Schröder
Franz-Josef Schröder
Aufl.: 500 Stück, 176 S., Hrsg.: Heimatverein Niederbergheim, Juli 1997


Urkunde Kloster Grafschaft

Zahlreiche Städte und Ortschaften im Sauerland begründen ihre erste urkundliche Erwähnung im Zusammenhang mit der Stiftungsurkunde des Klosters Grafschaft bei Schmallenberg aus dem Jahre 1072. Rückgreifend auf diese Urkunde feiern in diesem Jahr zahlreiche Orte u. a. Mülheim, Kallenhardt, Nuttlar ihr 925-jähriges Jubiläum. Die Problematik liegt darin, daß diese Urkunde, die in zahlreichen regionalen Büchern oder Festschriften 1072 als das Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung nennt, schon längere Zeit als Fälschung erkannt ist. Hier sei nun in Kurzform der zeitliche Ablauf der Fälschung(en) dargestellt:

1072 Bischof Anno II von Köln gründet Kloster Grafschaft. Der Zehnte von zahlreichen Städten/Ortschaften und Grundbesitz werden dem Kloster zugesprochen. Hierüber existiert keine schriftliche Unterlage.
1075 Bischof Anno II stirbt 1085/1111
Durch eine gefälschte Urkunde, denn nur sie gibt Rechtssicherheit, sichern sich die Mönche ihre Ansprüche.
1120 Erzbischof Friedrich I. bestätigt die gefälschte Urkunde und übereignet dem Kloster zusätzlichen Besitz.
ca. 1200 In der Urkunde von Friedrich I. wird der Zehnte von Warstein, Belecke, Allagen, Bergheim und anderen Orten hineingefälscht, um sich auch diese Region zu sichern. Um sich endgültig abzusichern, wird dieser Zusatz auch in die nach Bischof Annos Tod erstellte (gefälschte) Gründungsurkunde hineingefälscht.

Diese Art der Urkundenfälschung ist im Mittelalter relativ häufig vorgekommen. Weltliche und kirchliche Herrscher versuchten sich so ihr Territorium zu sichern. Im vorgenannten Fall hat der Streit zwischen den Grafen von Arnsberg und den Bischöfen von Köln zu den Fälschungen geführt. Im Jahre 1214 verzichtet Graf Gottfried von Arnsberg endgültig auf den Zehnten von Warstein. Bestehen bleibt die Tatsache, daß wenn die Urkunde auch erst später entstanden ist (oder ergänzt wurde), sicherlich keine Orte eingesetzt wurden, die 1072 noch nicht bestanden haben. Wenn auch ein genaues Datum nicht festgelegt werden kann, so können wir dennoch stolz sein auf unseren Ort, der wahrscheinlich sogar älter als die gefälschte Stiftungsurkunde ist.

Franz-Josef Schröder (Quelle: Informationen des Staatsarchivs Münster)