Der Warsteiner
Patriotenkrieg

(1789 - 1794)


Bernd Mues



Erschienen im Verlag SOWIESO

im Warsteiner Kulturverein SOWIESO eV

SOWIESO - Historische Reihe,
herausgegeben von Werner Braukmann

1. Auflage 1989, Druck: E. Kirchhoff Anröchte


Vorwort

Zwei Jahrhunderte hinter uns liegt das wohl schillerndste Ereignis der Warsteiner Stadtgeschichte: der "Patriotenkrieg". Trotz seiner Dramatik und Bedeutung wurde er bisher nicht ausführlich erforscht und dargestellt.
Herrn Bernhard Wiemeyer, der auf unnachahmliche Weise Stadthistorie verlebendigen konnte, interessierte dieses Kapitel ganz besonders. Er war es auch, der mich im Jahre 1962 dafür begeisterte, diese "Warsteiner Revolution" näher zu untersuchen. Er half mir nicht nur, wichtige Quellen zu beschaffen, sondern gab mir auch wesentliche Hinweise zu deren Auswertung.

Der Stoff hat mich damals wie heute fasziniert. In einigen Aspekten, wie Ämterpatronage, Machtmißbrauch, unkorrekte Finanzwirtschaft usw. ist er im übrigen erstaunlich aktuell. Zudem finden sich in den alten Aufzeichnungen Elemente von Komik und Dramatik, welche die Lektüre lebendig und spannend machen. Allerdings war das Aktenstudium im Jahre 1963 schwierig, da die Bestände der Stadt damals noch nicht geordnet waren.

Wenn ich es als Nichthistoriker (zögernd) wage, diese Arbeit ganze 25 Jahre nach ihrer Erstellung zu veröffentlichen, so aus folgenden Gründen:
- Es gibt bisher keine umfassende Darstellung der Ereignisse
- Der "Patriotenkrieg" war mehr als eine amüsante Episode, die man erzählt wie ein "Döneken". Er ist es wert, ernsthaft erforscht zu werden.
- Bisher vorliegende Darstellungen vermitteln teilweise den Eindruck, als seien die rebellierenden Patrioten (deren Namen wir übrigens fast ausnahmslos noch heute in Warstein finden) nichts als eine Horde übler Elemente gewesen. Hier wird ungeprüft eine Sicht übernommen, die schon vor 200 Jahren als parteilich gelten mußte.
- Der Patriotenkrieg begann vor genau 200 Jahren, ebenso wie die französische Revolution. Das ist Grund genug, die Ereignisse näher zu erforschen.
Vielleicht ist diese Schrift dazu ein Anstoß.

Herr Dietmar Lange hat mir aus dem heute geordneten Stadtarchiv die hier abgedruckten Fotokopien alter Akten beschafft. Dafür bedanke ich mich herzlich.

Warstein/Suttrop, im Februar 1989                                                       Bernd Mues


EINLEITUNG

"Der Patriotenkrieg" in der Warsteiner Geschichtsschreibung
Verderbliche Auswirkungen der "Revolutions-Krankheit"?

Über die Geschichte unserer Stadt liegt bisher nur ein umfassendes Buch vor, nämlich die 1844 erschienene "Geschichte der Stadt Warstein" von Dr. Joseph Bender. In Benders Werk finden wir nur ein verhältnismäßig kurzes Kapitel zu diesem Thema, betitelt "Patriotenkrieg (1789 - 1796)", in welchem der Autor sehr knapp auf einen in diesem Zeitraum bestehenden Kampf zwischen der Bürgerschaft und dem herrschenden Magistrat eingeht.
Bender selbst schreibt dazu: "Die später über diese innern Unruhen geführten Acten sind leider meistens vernichtet worden, so daß über diesen merkwürdigen Parteikampf fast nur noch das bekannt ist, was sich in der Tradition erhalten hat." Er war also fast ausschließlich auf mündliche Angaben angewiesen, und es ist naheliegend, daß er diese zum großen Teil bei den ihm verwandten Familien Pape und Seißenschmidt bezog. Repräsentanten beider Familien waren aber als prominente Persönlichkeiten auf der Seite der "Prinzen" in die Unruhen verwickelt. Als Prinzen bezeichnete man die Anhänger der Partei des Magistrats.

Somit ist es auch erklärlich, daß Bender diese ganze Angelegenheit mehr oder weniger von deren Standpunkt aus sehen musste, wenngleich sein Werk in den übrigen Teilen durchaus als durchaus objektiv und sachgerecht anzusehen ist. Er spricht von einer in Frankreich entstandenen "Revolutions-Krankheit", deren Grundsätze "das Volk zu einem unvernünftigen Selbstbewusstsein seiner Rechte brachten und zu dem unsinnigsten Wahne entflammten".
Für ihn waren die aufgestandenen Bürger nur eine Rotte übler Elemente und Tumultanten, die sich ohne triftigen Grund - es sei denn, den des eigenen Vorteils - erhob "gegen die, wenn auch wenigen, angesehensten Familien der Stadt, die fast Jahrhunderte hindurch den innigsten Antheil an der städtischen Verwaltung und Gerechtigkeits-Pflege genommen hatten". Dieses aber habe sich für Warstein "auf eine für dasselbe sehr verhängnisvolle Weise ausgewirkt."

Diese offensichtliche, nur zu gut verständliche Parteilichkeit Benders sowie die Tatsache, daß vor jüngster Zeit nennenswertes Aktenmaterial aus der Zeit von 1789 - 1794 glücklicherweise wieder aufgefunden wurde, lassen es notwendig erscheinen, dieses wichtige Kapitel der Warsteiner Geschichte neu darzustellen.


DARSTELLUNG

Vorgeschichte und Krise
Verdächtigungen und ein Prozeß

Die als "Patriotenkrieg" bezeichneten Unruhen - die rebellierenden Bürger nannten sich "Patrioten" - nahmen ihren Anfang nicht erst im Jahre 1789. Schon Jahrzehnte früher machte sich in der Bürgerschaft ein Widerwille breit gegen die Herrschaft des mächtigen Magistrats.

(die gesamte Chronik kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden)


Lexikon für die Stadt Warstein, erstellt durch Horst Hassel,
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