900 Jahre Propsteikirche Belecke
(Festschrift, 37 S., herausgegeben 1987 von der Kath. Pfarrgemeinde St. Pankratius)

Das Jubiläum
Die Kunde von der "Stunde Null" ist nicht gerade spektakulär. Irgendwann im Jahre 1087 weihte der Kölner Erzbischof Sigewin eine kleine romanische Kirche. Ort des Geschehens: ein Bergrücken hoch über dem Möhnetal. So steht es in den Akten des Klosters Grafschaft.
Ein paar Jahre später kauft das Kloster diesen Bergrücken, errichtet einen Gutshof in der Nähe jenes Gotteshauses, das später dem Märtyrer Pankratius anvertraut werden wird. Die Ordenspropstei Belecke entsteht.
Der Kölner Erzbischof, der dem Projekt einen Teil des Landes und seinen ganzen Segen zuwandte, erhoffte sich damit, wie er schrieb, einen "Anteil im Land der Lebenden". Um nichts geringeres ging es auch den Benediktinern, als sie um das Jahr 1100 von Grafschaft nach Belecke aufbrachen. "Land der Lebenden" - das ist die biblische Umschreibung für das Reich Gottes.

Es glaubend, liebend, hoffend sichtbar werden zu lassen, dafür war auf dem Belecker Propsteiberg die Regel des heiligen Benedikt eine Richtschnur. Genau 700 Jahre lang, bis zur Aufhebung des Mutterklosters im Jahre 1840.
Beschämt stehen wir heute vor dieser großartigen Tradition. Denn unser eigenes Ringen um das Land der Lebenden ist elementar bedroht. Ist es nicht unser Jahrhundert, das schleichend oder in wenigen Augenblicken das zugrunde richten kann, was für 30 Generationen eine Heimar war?

Belecke, im Juli 1987                                              Jürgen Sauer, Michael Grundhoff


Es begann mit
zwei Entführern

Die Anfänge Beleckes 938 - 1072

Dem namenlosen Dunkel der Geschichte wurde Belecke ausgerechnet von zwei Kidnappern entrissen, Kindesentführern also. Der eine hieß Thankmar und endete, von einem tödlichen Pfeil getroffen, in der Stiftskirche von Obermarsberg. Der andere trug den Namen Anno, war Erzbischof, Kloster-Gründer, Reliquien-Sammler - und endete als Heiliger. Doch der Reihe nach:

Wir schreiben das Jahr 938. König Otto I., später als Kaiser der Große genannt, hatte die Edlen des Reiches zu einem allgemeinen Reichskonvent nach Steele bei Essen bestellt. Der König war unzufrieden. Eine aufrührerische Gesinnung unter dem Adel drohte das Land zu spalten. Die Folge: Otto machte immer häufiger Bischöfe auch zu weltlichen Herren über ihre Bistümer. Der Vorteil für den König lag auf der Hand: Da Bischöfe ehelos und daher ohne Nachkommen sind, können sie auch kein Herrschergeschlecht begründen, das dem König gefährlich wird.

(die gesamte Festschrift kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden)


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