Krankenhaus Maria Hilf 2004-2005


Quelle: WR Warstein vom 15.05.2004

Bleibende Stätte der Liebe und Barmherzigkeit

Von Dietmar Lange

Warstein. Mit einem Tag der Offenen Tür begeht am heutigen Samstag das Warsteiner Krankenhaus "Maria Hilf" sein 125-jähriges Bestehen. Viele Bürgerinnen und Bürger aus Warstein und seinen Stadtteilen werden sich am heutigen Tag von der Qualität, der Vielfalt und den Angeboten des Krankenhauses ein Bild machen können.

Ungezählte Scharen von Besuchern haben in den letzten 125 Jahren die Zimmer der Patienten besucht, ungezählte Scharen waren für kurze Zeit oder längere Dauer auf Heilung im Warsteiner Krankenhaus angewiesen. Die Erinnerung an 125 Jahre mag manchen Rückschauenden ein wenig zum Schmunzeln und historischen nachdenken bringen, waren doch die Anfänge des Warsteiner Hospitals im Vergleich zu heutigen Zeiten sehr bescheiden.

Das an den Tag gelegte Engagement der Verantwortlichen, die gerade in der Gründungsphase trotz des ein oder anderen Rückschlags immer wieder die Initiative zur Weiterentwicklung in die Hand nahmen, erscheint auch heute bewundernswert. Dass viele Informationen aus damaliger Zeit sich bis heute erhalten haben, ist dem seinerzeitigen Mitglied des Kuratoriums dem kath. Pfarrer der Westfälischen Klinik Werner Tröster zu danken, der 1986 eine Chronik zusammenstellte und der Hospitalbruderschaft übergab. Danach gehen die ersten Anregungen für ein Warsteiner Krankenhaus in das Jahr 1854 zurück - und von daher dürfte eigentlich sogar das 150-jährige Bestehen eines Hospitals in Warstein festlich begangen werden, wenn man denn die Initiativen und Vorarbeiten mitberücksichtigt.

Es war der erst 1853 nach Warstein gelangte Pfarrer der St. Pankratius-Pfarrei Johannes Ludowicus Aufenanger, der am 27.11.1854 dem Stadtvorstand Warsteins eine erste Denkschrift vorlegte, in der er für die Errichtung eines Krankenhauses warb. "Solange ich hier bin, gehört es zu meinen Lieblingsaufgaben, eine Krankenanstalt aufblühen zu sehen, um damit in meiner Pfarrgemeinde christlicher Liebe und Barmherzigkeit eine bleibende Stätte, dem Elende aber eine Zuflucht zu begründen", hatte er nicht ohne vorweg das eine oder andere Gespräch zu nutzen, notiert. In der Tat scheint mit dem katholischen Seelsorger ein Mann großer Aktivität nach Warstein gekommen zu sein, der sich mit diesem Projekt ein zweites riesiges Vorhaben vor die Brust nahm. Mit seinem Amtsantritt 1853 war der Grundstein für den Bau der Pfarrkirche St. Pankratius gelegt worden, für das damalige Warstein ein gigantisches Projekt. Mit der Idee eines Krankenhauses entstand eine nicht weniger arbeitsreiche Tätigkeit. 1859 verließ der rührige Pfarrer Warstein und wurde Propst in Brilon. Auch dort sind sein hohes soziales Engagement und sein besonderes Tun für das dortige Krankenhaus nachweisbar. Am 8.2.1856 errichtete er mit drei weiteren wichtigen Warsteiner Bürgern mit der Vorlage eines Statuts ein unter dem Namen "Warsteiner Hospitalbruderschaft" errichteten Verein. Es waren neben dem Pfarrer und seinem Vikar Scheffer mit dem Amtmann und Stadtvorsteher Johann August Koffler und dem Gewerken und späteren Geh. Kommerzienrat Wilhelm Bergenthal zweifellos die in damaliger Zeit wichtigsten Personen der Wästerstadt.

Warum ein Krankenhaus?
Grund für die Errichtung eines Krankenhauses war vor allem die steigende Industrie in Warstein, die mit dem Zuzug vieler Familien auch die Lösung sozialer Probleme forderte. Der Stadtverordnete Franz Schmitz wies darauf hin, dass "ohne ein Krankenhaus die größte Gefahr vorhanden (ist), dass ansteckende Krankheiten nicht bewältigt werden können, wenn sie in eng wohnenden Familien auftreten". Dabei wies er auf die Erkrankung des Nervenfiebers hin, bei der die Kranken zu drei oder vier in zwei Betten auf zwei Kammern verteilt gelegen hatten.

Mit der Gründung der Hospitalbruderschaft versuchte man auch den Stadtvorstand in die Reihen der Vereinigung aufnehmen zu können. Diese hatte jedoch zuerst abgewunken und am 1.12.1858 ein eigenes Krankenhaus errichtet. Amtmann Koffler hatte auch hier die Vorarbeiten geleistet und nach mehreren Angeboten den damals dem Bürger Anton Struif gehörenden Zehnthof für die Eröffnung eines Krankenhauses mit wenigen Betten gewinnen können. Die Pflege - eigentlich das Verwahren der Kranken - garantierte die Witwe des Gerichtsboten Ranz, die -selbst auf die Fürsorge angewiesen - hier eine geeignete Tätigkeit zu finden glaubte. Nur ein Jahr dauerte die Existenz dieses ersten Warsteiner Krankenhauses. Wenige Tage nach de Schließung trat die Stadt endlich der Hospitalbruderschaft bei, die mittlerweile 21 ordentliche und 244 außerordentliche Mitglieder aufwies. Während sich die Stadt dabei zu jährlichen Zahlungen verpflichtete, mussten die Kuratoren die Errichtung einer Krankenheilanstalt als oberstes Gesetz angehen. Zehn Jahre später eröffnete man in dem nun von Kommerzienrat Wilhelm Bergenthal angekauften Zehnthof wiederum ein Krankenhaus, in das die ersten drei Salzkottener Franziskanerinnen eingezogen waren. Bis 1964 übernahmen sie engagiert und zu Tag- und Nachtzeiten die Krankenpflege und Verwaltung. Das damalige Hospital im Zehnthof stand zwar in gutem Ruf, wurde jedoch aufgrund der räumlichen Enge und der Entfernung vom Stadtzentrum 1875 geschlossen.

Hospital in der Stadtmitte
Schnelle Planungen wieder unter der Leitung des Amtmanns und Stadtvorstehers Koffler führten dazu, dass an der Stelle des heutigen Krankenhauses am 11.7.1877 der Grundstein für ein zeitgemäßes Hospital gelegt werden konnte, in dessen Urkunde es heißt "Möge dieser neue Bau, den wir zur Ehre Gottes und zum Heile leidender Mitmenschen unter dem Schutz der Mutter Gottes Maria unternommen haben, ungestört seiner Vollendung entgegen gehen und für unsere Stadt und die Umgebung zum Segen gereichen bis in die fernsten Jahrhunderte".

Immer wieder Erweiterungen
Ein Jahr später feierte man die Einweihung, aufgrund des Statuts der "errichteten Krankenheilanstalt Maria Hilf zu Warstein, im Kreise Arnsberg" verlieh vor 125 Jahren am 31.3.1879 der preußische König Wilhelm I. dem heutigen Hospital die Rechte einer juristischen Person. Das Krankenhaus trat rechtlich selbstständig ins Leben, war Rechtsperson und wurde getragen und verwaltet von der Hospitalbruderschaft. Vertreten wurde es durch das Kuratorium, dessen Vorsitz lange Jahrzehnte der katholische Warsteiner Pfarrer innehatte, das aber auch schon bei Gründung die Mitgliedschaft des evangelischen Seelsorgers vorsah.

Seit der Zeit der Einweihung ging kaum ein Jahrzehnt vorbei, in dem das Gelände des Krankenhauses an der früheren "Krankenhausstiege" und der späteren "Hospitalstraße" keine baulichen Veränderungen oder Erweiterungen erlebte. 14 Kranke waren dort 1879 untergebracht, drei Ordensschwestern hatten die Pflege übernommen und Wohnung im Krankenhaus bezogen; 1900 verzeichnete das Krankenhaus 44 Betten, im gleichen Jahr erhält man eine zweite Badewanne. 1908 erweiterte man ein erstes Mal, 1911/12 um ein westlich gelegenes Isolierhaus, 1934 um eine bauliche Verbindung zwischen Haupttrakt und Isolierhaus, 1955 um das Verwaltungsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite hinter dem früheren Kolpinghaus. Auch hatte man nach dem II. WK ein Isolierhaus errichtet dazu eine Röntgenabteilung und eine Abteilung für physikalische Therapie.

In den endenden 1950er Jahren und den beginnenden 1960er Jahren schien das Krankenhaus am Ende seiner Kapazität angelangt zu sein. 89 Betten waren auf dem Areal von etwa 40 Betten des seinerzeit genehmigten Altbaus untergebracht. Mit großem finanziellen Aufwand und ungeheurer Tatkraft ging man an den Neubau von Maria Hilf unter der Leitung eines Bauausschusses mit dem Vorsitzenden Paul Cramer und dem Bürgermeister Hermann Risse als Vorsitzendem des Kuratoriums. Grundsteinlegung 1963 und endgültige Einweihung 1968 - nachdem man nach und nach vom alten Krankenhaus in die neuen hellen Räumlichkeiten übergesiedelt war.

Rasant gingen die inneren Erweiterungen und der Ausbau des Krankenhauses mit einer Kapazität von heute etwa 160 Betten. Endoskopie Abteilung, Intensiv-Station, Krankenpflegeschule, Erweiterungen und Intensivierung verschiedener Abteilungen, Umgestaltung der Eingangshalle und die erst vor vergleichsweise kurzer Zeit eröffnete Kurzzeitpflegestation oder die Angliederung der Rettungswache sind nur einige der Schlaglichter der letzten Jahrzehnte - und auch zurzeit erweitern Bauarbeiten die einzelnen Krankenzimmer und bringen sie auf zeitgemäßen Standard.

Ärzte und Pflegepersonal
Ein Krankenhaus lebt von seiner Pflege und seiner ärztlichen Kunst. Fast 100 Jahre hatten die Salzkottener Franziskanerinnen die Pflege gewährleistet. Als erster betreuender Arzt wurde 1858 Dr. Rieländer für die "Heilanstalt" verpflichtet, ihm folgte 1874 Dr. Beckers und 1883 Dr. Riethkötter. Große Verdienste um das Krankenhaus erwarb sich danach Sanitätsrat Dr. Peus. 1938 nennt die Chronik die Ärzte Dr. Osterhaus, Dr. Meinhold, Dr. Segin und Dr. Scheef. Als leitender Arzt trat 1961 Dr. Segin zurück, Dr. Felix Vonnegut, seit 1947 in Warstein tätig, wurde sein Nachfolger.

Seit 1968 richtete man einzelne Fachabteilungen ein. Namen wie Dr. Krebedünkel und Dr. Kleinschmidt, Dr. Rother, Dr. Meißner und Dr. Schneider oder Prof. Cramer kennzeichnen neben Belegärzten wie vor allem Dr. Ebel die ärztliche Kunst im Warsteiner Krankenhaus und leiten über in die neueste Zeit. Hier kann das Warsteiner Krankenhaus auf eine nunmehr 125jährige Geschichte zurückblicken, gleichzeitig ist es gefordert durch geeignete Maßnahmen auf dem zunehmend schwierigen Feld der Gesundheitsvorsorge seinen Standard und seine Qualität auszubauen und sich so immer wieder von neuem zu bewähren als "bleibende Stätte christlicher Liebe und Barmherzigkeit", wie man es schon vor 150 Jahren formulierte.

Und der Name "Maria Hilf"?
Auch hier war es der Amtmann und Stadtvorsteher, der für den langjährigen Namen des Krankenhauses verantwortlich zeichnet. Schon 1854 hatte er die Randnotiz "Maria, hilf" als zukünftiger Name eines projektierenden Hospitals vermerkt. Hintergrund war das Dogma der Unbefleckten Empfängnis Mariens, das 1854 vom Papst verkündet worden war und der marianischen Frömmigkeit großen Auftrieb gab. Koffler, den der Warsteiner Pfarrer als "vir religiosus" (frommer Mensch) benennt, hatte hierin einen möglichen Namen für das Warsteiner Krankenhaus erkannt.


Quelle: WR Warstein vom 01.04.2005

125 Jahre Krankenhaus Maria Hilf

Warstein. (HH) Das Krankenhaus Maria Hilf feiert am 14./15. Mai seinen 125. Geburtstag. Die Bürger sind dann eingeladen zu einem "Tag der offenen Tür", bei dem das in den letzten Monaten sanierte Krankenhaus einen Blick hinter die Kulissen, zum Beispiel in einen Operationssaal erlaubt. Mit Krankenbetten im Zehnthof begann die Warsteiner Versorgung von Kranken. Das erste Krankenhaus aber wurde in den Jahren 1877/78 errichtet und am 19. November 1878 eingeweiht. Seit 1879 steht dieses Krankenhaus unter der Leitung der Warsteiner Hospital Bruderschaft. Stadtarchivar Dietmar Lange präsentierte gestern eine Akte, beginnend 1860, in der sich u. a. ein "Tagebuch über alle Dinge, die im Krankenhaus Warstein aufzunehmen sind" findet. Beim Tag der offenen Tür wird man diese Akte ebenso sehen wie alte medizinische Geräte aus den Gründungsjahren von Maria Hilf oder Fotos von ehemaligen Mitarbeitern, Ärzten oder den Franziskanerinnen von Salzkotten, die ab 1878 (bis 1964) die Pflege übernahmen. Wer hat noch alte Fotos vom Krankenhaus, seinen Mitarbeitern, ehemaligen Ärzten oder der Bruderschaft? Für die Ausstellung im Mai könnten Bürger sicherlich das ein oder andere historische Foto oder Schriftstück noch beisteuern. Walter Schaminet, Vorsitzender der Bruderschaft, und die Krankenhaus-Leitung würden sich freuen. Von 11 Uhr bis 15 Uhr kann man am 15. Mai einen Blick in den OP werfen. Chirurgen erklären den Besuchern Einzelheiten zu Operationen. Im Stundenrhythmus gibt es Führungen durch das Krankenhaus, in dem sich an diesem Tag auch das DRK, der Malteser Hilfsdienst, die Freiwillige Feuerwehr Warstein und die Rettungswache vorstellen.


Quelle: Internet-Seite des Krankenhauses 02.08.2003

Geschichte des Krankenhauses "Maria Hilf"

Pfarrer Aufenanger ist es, der am 28. November 1854 den Stein ins Rollen bringt. Er richtet eine schriftliche Bitte, in Warstein eine eigene Pflegeanstalt für Kranke zu errichten, an den Stadtvorstand. Am 8. Februar 1856 wird daraufhin die Hospitalbruderschaft von führenden Männern des Ortes gegründet. Ihr Ziel ist, durch eigene Beiträge und Sammlungen eine Krankenanstalt zu errichten und zu unterhalten!

Von der Kornannahmestelle bis zum Krankenhaus
König Wilhelm 1. von Preußen erkennt am 30. November 1869 die selbstgegebene Satzung der Hospitalbruderschaft an und verleiht ihr die Rechte einer juristischen Person in Gnaden. Was vorher der Abtei als Kornannahmestelle diente, wird umgebaut, und von nun an kann der ehemalige Zehnthof Platz für die Aufnahme von zehn Kranken bieten.
Im Jahre 1869 teilt der Bekenner-Bischof Konrad-Martin den Franziskanerinnen in Salzkotten die Berufung zur Übernahme des zu gründenden Krankenhauses "Maria Hilf" in Warstein mit. Mangelnde Betten und unzureichende sanitäre Verhältnisse sind die Gründe, warum die Regierung in Arnsberg schon bald auf einen Neubau drängt.

Auf dem jetzigen Krankenhausgelände findet am 11. Juli 1877 die Grundsteinlegung für das neue Krankenhaus statt. Durch die Unterstützung der Stadt und ihrer Bevölkerung können notwendige Einrichtungsgegenstände angeschafft werden. Kirchlich eingeweiht wird der Stolz der Gemeinde am 19. November 1879.

Nun geht die Entwicklung rasch voran, so können 1911 bereits 62 Kranke betreut werden. Bis 1966 hat sich die Bettenzahl mehr als verdoppelt: 120 Krankenbetten und 25 Säuglingsbetten stehen der Bevölkerung jetzt zur Verfügung.
1992 konnte eine neue Intensivstation in Betrieb genommen werden. Im Herbst 1993 erfolgte die Umgestaltung des Haupteingangs und der Eingangshalle. Zur Zeit beträgt die Bettenzahl 175 zuzüglich 14 Betten in der Abteilung für Kurzzeit- und Übergangspflege.