Ottilie Bergenthal, Witwe des 1945 verstorbenen August Wilhelm Bergenthal, vermachte Haus Kupferhammer 1948 mit Auflagen an die Stadt Warstein. Die begann 1960, das Haus in ein Museum umzuwandeln. Am 23.06.1962 wurde das Museum Haus Kupferhammer eröffnet. (Foto: Hassel)

Quelle: WR Warstein von Sa./So 23./34. November 1968

Gezielte Werbung soll Kupferhammer attraktiv machen!
Was Warsteins Museum mangelt

Warstein. Prominentester Gast war der Bundesrepublik erster Bürger: Bundespräsident Heinrich Lübke. Rein zahlenmäßig aber ist der Besuch der Warsteiner Museums Haus Kupferhammer, daß für dieses Jahr wieder seine Pforten geschlossen hat, nicht gerade Anlaß zu lauterer Freude. Das seit 1962 als Museum eingerichtete Haus hat seitdem pro Jahr rund 1000 Besucher auszuweisen, von denen die meisten noch aus Warstein selbst kommen. Diese Zahl ist zwar nicht sehr abfallend im Vergleich mit den Besuchsziffern anderer Museen, gemessen an der Einrichtung und den Werten des Hauses aber deprimierend.

Mit einer gezielten Werbeaktion will man im nächsten Jahr den nach der Bilsteinhöhle sehenswerten Teil Warsteins vor allem auch für Auswärtige attraktiv darbieten. Dazu wäre es gut, nach den Renovierungen im Innern des Hauses sich nun auch der Fassade und den Gräften zuzuwenden. Das meint auch Dr. Sandgathe, der Betreuer des historischen Gebäudes und seiner Einrichtungen.

Die Verwirklichung hängt zu einem großen Teil von der Zusage finanzieller Mittel durch den Landeskonservator ab. Hier wäre die Bereitstellung von Zuschüssen tatsächlich nicht weggeworfen. Vielleicht kommt man auch einmal dazu, die Anlagen hinter dem Haus wirkungsvoller zu gestalten. Dem Gesamteindruck wäre es sicherlich nicht abträglich. Zwar offiziell geschlossen, können Schulklassen und Gruppen auch jetzt noch jederzeit das Haus besichtigen. Es genügt eine telefonische Anmeldung. Die einträglichsten Monate - was die Besuchsziffern anbelangt - waren wieder Juli und August für das vom 1. Mai bis 31. Oktober geöffnete Museum, das mittwochs und samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr besucht werden kann.


Quelle: Westf. Rundschau Warstein vom 24.12. 1963

Nicht nur das Stehpult im "Comptoir"
gibt Zeugnis von der guten alten Zeit

Im Warsteiner Heimatmuseum Haus Kupferhammer blieb der Uhrzeiger stehen

Warstein. Im vorigen Jahr verlas Studienrat Dr. Sandgate, Leiter des städtischen Museums "Haus Kupferhammer", anläßlich der Museumseröffnung die Urkunde aus dem Jahr 1948, in der Frau Ottilie Bergenthal den Besitz der Familie der Stadt Warstein übergibt. Zwar haben in dieser Zeit schon an die 1.000 Besucher das Haus und die in ihm enthaltenen Kostbarkeiten gesehen, doch ist diese Zahl verschwindend gering gegenüber der Zahl derer, die kommen müßte, denn die Dinge, die Haus Kupferhammer birgt, dürften in ihrer Vielfalt und in ihrem Wert in der näheren und weiteren Umgebung kaum erreicht, geschweige denn übertroffen werden. Die Stadt Warstein kann auf ihr Museum mit Recht stolz sein, und wir nahmen die weihnachtliche Zeit zum Anlaß, uns einmal ausgiebig im Haus Kupferhammer umzusehen, festzustellen, was nach der Eröffnung im Jahre 1962 aus ihm geworden ist und was weiter aus ihm werden soll. Es ist schon ein seltsames Gefühl, sich zwischen all diesen Dingen mit ihrer ungeheuren Vielfalt zu bewegen, die den Hauch vergangenen Jahrhunderte und Jahrtausende auszuatmen scheinen. Das letztere trifft natürlich für die mineralogische und die vor- und frühgeschichtliche Sammlung zu. Sie zeigen einmal die erdgeschichtlichen und geologischen Gegebenheiten der engeren und weiteren Umgebung Warsteins, zum anderen die Funde aus der Bilsteinhöhle und der Liethöhle, aus dem Eppenloch und dem Hohlen Stein.

In der volkskundlichen Sammlung sind die Zeugnisse bäuerlicher und ackerbürgerlicher Kultur vom 16. bis 19. Jahrhundert zu sehen, während die stadtgeschichtliche Sammlung wechselnde Ausstellungen zur Geschichte der Stadt zeigt. Die Sammlung Bergenthal im Obergeschoß soll einen Eindruck vom Leben und Wohnen des westfälischen Großbürgertums im frühindustriellen Zeitalter (1840 bis 1890) vermitteln und gliedert sich in Jagdflur, Biedermeierzimmer, "Comptoir" (Kontor), Salon und Festsaal.

In der Urkunde aus dem Jahr 1948, in der Frau Ottilie Bergenthal den Besitz mit dem Haus selbst an die Stadt übergibt, heißt es unter anderem: "Haus und Park sind Zeugen der rastlosen Tätigkeit der Familie Bergenthal zum Wohle der Allgemeinheit. Die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner ist ein Teil der Heimatgeschichte Warsteins überhaupt, um so mehr, da wie nirgendwo in Warstein der ursprüngliche bauliche Zustand erhalten geblieben ist. Der Name Bergenthal soll für alle Zeiten mit Haus und Garten verbunden bleiben. Hier soll der eigentliche Mittelpunkt der im Anschluß gelegenen großen Wilhelm-Bergenthal-Siedlung sein. Die Stadt ist gehalten, in einem Teil der Räume das Heimatmuseum und das Stadtarchiv unterzubringen. Der große Saal kann Zwecken der städtischen Repräsentation und der Abhaltung von kulturellen, mit der Geschichte der Heimat verbundenen Veranstaltungen, Versammlungen und Tagungen dienen. Das Haus soll die Stadt in den Stand setzen, Anziehungspunkt für alle zu werden, die sich im engeren und weiteren Raum des Sauerlandes und Westfalens mit der Geschichte der Heimat, des Volkes und seiner Gebräuche befassen. All diesen soll das Haus mit seinen Nebenräumen eine würdige Unterkunft und Gastfreundschaft bieten, die in der Familie Bergenthal von je her mit Selbstverständlichkeit gepflegt wurden."

Drei Generationen
Der Geheime Kommerzienrat Wilhelm Bergenthal, Großvater der 1951 verstorbenen Frau Ottilie Bergenthal, war es allerdings nicht selbst, der Haus Kupferhammer erbaute. Er erwarb das Gebäude und gründete bald darauf das Werk Gabriel Bergenthal, heute unter dem Namen Dittmann & Neuhaus bekannt. Das efeuumrankte Haus war der Sitz dreier Generationen der Familie Bergenthal, bis es schließlich auf die Stadt Warstein überging.