Quelle: WR Warstein vom 11.11.2003
Als Stätte der
Besinnung
gern genutzt

Von Horst Hassel

Warstein. "Tiptop, wie ein Hotel" präsentierte sich in den 1980er Jahren das Familienerholungsheim "Viktoria" im Bilsteintal. In der heutigen Sitzung des Ausschusses für Kultur und Touristik (18 Uhr, Ratssaal) soll über die Zukunft des einst von Bergarbeitern aus Lünen/Dortmund errichteten Hauses beraten werden.


Das 1950 erbaute und nach 1970 erweiterte "Haus Viktoria" oberhalb des Wildparks an der Bilsteinhöhle. (WR-Bild: Hassel)

Nach dem II. Weltkrieg suchten die Menschen aus dem zerbombten Ruhrgebiet Erholung im Sauerland, unter anderem in Warstein. Bergleute der Zeche "Viktoria" in Lünen-Süd verlebten mit ihren Familien die Ferien im Bilsteintal. Die Unterbringung erfolgte im Zelt. Zum Kochen und als Toilette errichtete man nach und nach feste Gebäude.

"Die Mückenschwärme waren für die zeltenden Bergleute und ihre Familie eine Qual, deshalb wurde 1950 das feste Erholungsheim errichtet," weiß Pfarrer Friedrich Enste aus Dortmund, ein gebürtiger Warsteiner von der Range, aus den Anfängen des Hauses. Friedrich Enste ist seit Jahrzehnten Hausherr im Gebäude und leitet die Freizeiten.

Die Bergleute verwendeten beim Bau des Hauses viel Material aus der Zeche. Große Heizungsventile und dicke Heizungsrohre zeugen davon. Besonders praktisch: Für die nassen Schuhe der Kinder und Erwachsenen bauten die Bergleute ein Gestell aus Rohren mit angeschweißten Flacheisen. Die Schuhe kommen auf die Flacheisen und werden durch die dicken Heizungsrohre getrocknet, so daß man sie am nächsten Tag wieder anziehen kann.

In den 1970er Jahren wurden mehrere Schlafräume an das Gebäude angebaut. Diese Räume haben Namen wie "Ernestine" oder "Katharine" und wurden nach den verschiedenen Flözen der Kohlengrube so benannt. Die Vornamen selbst stammen von den Ehefrauen der Steiger.

Verhindert: Heim für Asylbewerber
In allen Schulferien ist das Haus "Viktoria" seit Jahrzehnten immer voll belegt. Es kommen Gruppen unterschiedlichster Art, die nicht nur Erholung suchen, sondern auch über Gott und die Welt diskutieren, nach dem Sinn des Lebens fragen oder in der Bibel lesen.

"Aus vielen Teilnehmern an diesen Ferienfreizeiten sind im Beruf erfolgreiche Männer und Frauen geworden. Viele sind heute Lehrer, Pastor oder Krankenschwester," weist Pastor Friedrich Enste darauf hin, dass die Grundlagen für ein erfülltes und oft dem Wohle anderer gewidmetes Leben in den Freizeiten im Haus "Viktoria" gelegt wurden.

Vor zehn Jahren wollte die Stadt Warstein, die Eigentümerin des Hauses ist, übrigens Asylbewerber dort unterbringen. Im Gespräch mit dem Bürgermeister konnte Pfarrer Enste das verhindern.