Quelle: WP vom 21.05.2003

"Verkauf wäre Verrat an Familientradition"

Ein Mann, ein Produkt: Die Warsteiner Brauerei ist für Albert Cramer sein Lebenswerk. Der Alleininhaber feiert heute seinen 60. Geburtstag im Kreis der Familie in Paris.

Von Armin Obalski

Warstein. Ein Verkauf der Warsteiner Brauerei kommt für Albert Cramer auch zukünftig nicht in Frage. Dies bekräftigte der Inhaber des Familienunternehmens im Exklusiv-Gespräch mit der WESTFALENPOST anlässlich seines heutigen 60. Geburtstages.

250 Jahre Warsteiner Brauerei, 200 Jahre Stammhaus "Domschänke" und der 60. Geburtstag Albert Cramers - Unternehmen und Familie haben in diesem Jahr viel zu feiern. Ganz klar im Mittelpunkt steht dabei jedoch das Firmen-Jubiläum und so verbringt Albert Cramer seinen heutigen Geburtstag im Kreis der Familie in Paris.

"Wir haben uns neu aufgestellt", fasst der Brauerei-Inhaber zusammen, was in den vergangenen Monaten im Unternehmen geschah und die Öffentlichkeit bewegte. Damit meint er vor allem den Verzicht auf Masse zu Gunsten der Klasse. "Wir haben auf Absatzmenge durch Billig-Bier (z.B. Ausstieg aus dem Vertrag mit Lidl) verzichtet, um die führende deutsche Premium Marke zu bleiben."

Der Weg an die Spitze ist ein großes Stück durch Albert Cramer selbst geprägt. Am 22. Mai 1943 in Warstein geboren ist er Spross der traditionsreichsten sauerländischen Bierdynastie. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Marketingstrategien sammelte er zunächst außerhalb des Familienunternehmens Berufserfahrung ehe er 1970 sein Amt als Geschäftsführer antrat.

Seither ging es steil bergauf. Von Anfang an forcierte Albert Cramer die nationale und internationale Expansion. Ausdruck dieser sind auch Firmenzukäufe und -beteiligungen. So gehören zur Firmengruppe die Paderborner Brauerei mit den Marken Paderborner, Isenbeck und Weissenburger, die Schlossbrauerei Kaltenberg mit König Ludwig Dunkel und Prinzregent Luitpold Weißbier sowie Beteiligungen im Ausland.

Schmerzlich ist für den bodenständigen, heimatverbundenen Unternehmer der Personalabbau zu Beginn des Jahres. Nur so habe aber die Zukunft der Brauerei auf dem schwierigen Biermarkt langfristig gesichert werden können. Für positive Nachrichten sorgte das Unternehmen mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe in neue Kästen und Flaschen, die zum Dankeschön-Jubiläum der Brauerei in Form von Biermischgetränken teils auch neuen Inhalt bekommen.

Seit 1985 ist Albert Cramer Alleininhaber des Familienbetriebes. Für 200 Millionen Mark übernahm er die Anteile seines inzwischen verstorbenen Vetters Claus. Seit den 70-er Jahren wurde "Das einzig wahre Warsteiner", so der Werbeslogan, nicht mehr in Warsteins Innenstadt, sondern in der neuen und später stetig erweiterten Waldpark-Brauerei produziert. Mit einem Ausstoß von 6,2 Millionen Hektolitern Warsteiner avancierte das Unternehmen im Spitzenjahr 1994 zur größten deutschen Brauerei. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz der gesamten Gruppe bei 587 Millionen Euro, der Ausstoß aller Marken bei über 7 Millionen Hektolitern.

Ein Verkauf seines Unternehmens war und ist für Albert Cramer kein Thema. "Das wäre Verrat an der Familientradition", bekundet er, der sich als Teil dieser sieht und die Brauerei als Lebenswerk betrachtet. Stattdessen hat Cramer den Weg der Kooperation eingeschlagen: "Es gibt genügend freie Brauereien, die sich nicht verkaufen wollen. Mit denen versuchen wir Allianzen zu schmieden."

Im vergangenen Jahr ernannte er Dr. Gustavo Möller-Hergt zu seinem Stellvertreter. Ein Indiz für den langsamen Rückzug? "Das Haus muss bestellt sein, aber als Inhaber verabschiedet man sich nicht", denkt er noch lange nicht an den Ruhestand. Auch wir gratulieren herzlich.


Lexikon der Stadt Warstein, erstellt durch Horst Hassel,
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