Quelle: WP vom 21.10.2005

"Mann des Ausgleichs": Nach
30 Jahren Abschied von Ehrenamt

Bei der Urkundenübergabe (v.l.): Gisela Klaus, Manfred Gödde, Paul Dirichs, Helmut Seel und der neue Schiedsmann für den Bereich Warstein, Hirschberg und Suttrop Heinrich Häckel. Foto: is

Warstein. (is) Fast 30 Jahre lang war Paul Dirichs die schlichtende Instanz der Stadt. Gestern verabschiedete sich der Schiedsmann aus Leidenschaft von seinem Ehrenamt, dass er 1976 als Stellvertreter von Ernst August Gruß übernommen hatte. "Eine Warsteiner Persönlichkeit mit Herz und Seele" charakterisierte Bürgermeister Manfred Gödde in der Feierstunde im Amtsgericht den "Mann des Ausgleichs". Als Mitglied in vielen Vereinen, freundlich, gesellig, mit der Fähigkeit sich in unterschiedliche Charaktere reinzudenken, habe Dirichs ein "Händchen" für die Entwirrung zwischenmenschlicher Probleme gehabt. "Oft, aber nicht immer", auf diesen feinen Unterschied legte der so Gelobte großen Wert.

Wenn sich die Streithähne nicht vertragen wollen, nützt auch der diplomatischste Vermittler nichts, weiß er aus langjähriger Erfahrung. Immerhin, in 80 Prozent aller Fälle reichten sich die Kontrahenten nach dem Treffen mit Paul Dirichs versöhnlich die Hand. "Das ist ein Schnitt, um den ihn so mancher Profi beneiden würde", sagte Amtsgerichtsleiter Helmut Seel. Nach den Erfahrungen des erfolgreichen Vermittlers hat sich die Warsteiner Streitkultur im Laufe der Jahrzehnte deutlich verändert. "Die Beleidigungen fehlen," stellte er augenzwinkernd fest und lieferte mögliche Beweggründe: "Die Leute sitzen vor dem Fernsehen. Es gibt keine Hühner mehr, die in Nachbars Garten scharren und krähende Hähne sterben auch aus."

Heute führt häufig das Laub aus Nachbars Garten zum Schiedsmann. Auch Grundstücks- und vermögensrechtliche Differenzen landeten oft auf Dirichs Schreibtisch. Mit seinem Latein am Ende war er bei einer Vielzahl von Familienstreitigkeiten: "Die enden meistens vor Gericht." Lautstarke Auseinandersetzungen zwischen den Kontrahenten zu Beginn der Schlichtungsverhandlungen hat er nie gescheut. "Da geht ein schreckliches Trallala los, aber es ist gut wenn sie sich anschreien." Später, nach der Versöhnung, ging man früher oft noch in die Kneipe um den neuen Frieden zu feiern. Diese Zeiten sind lange vorbei.

Über Monate hatte Paul Dirichs einen "Volontär". Sein Nachfolger Heinrich Häckel nutzte die Gelegenheit, dem Altgedienten beim Einsatz über die Schulter zu schauen. Häckel ist ab sofort unter Tel: 2997 zu erreichen. Den Dank und die Anerkennung der Justizverwaltung des Landes NRW überbrachte Helmut Seel mit einer Urkunde. Mit Geschäftsleiterin Gisela Klaus würdigte er die unbezahlbare Arbeit von Paul Dirichs auch im Namen des Amtsgerichtes Warstein denn: "Ein Schiedsmann spart Kosten und Nerven."


Lexikon der Stadt Warstein, erstellt durch Horst Hassel,
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