Warsteiner Jahresrückblick 1965
Quelle: "Westfalenpost" vom 31.12.1965

1965 im kommunalpolitischen Rückblick

Warum sollte man trauern . . .
In der Wästerstadt wurden viele Probleme gelöst

Ein Jahr wichtiger kommunalpolitischer Entscheidungen geht zu Ende. Dem Chronisten fällt es gerade an dieser Jahreswende schwer, aus der Fülle der Ereignisse die Begebenheiten von weitreichender Bedeutung herauszugreifen. Es könnte voreilig sein, das eine oder andere unberücksichtigt zu lassen, weil es anscheinend ohne kommunalgeschichtliche Bedeutung bleiben wird. Aber wer verbürgt sich dafür?

ST. POL UND WARSTEIN
KAMEN SICH NÄHER
Die Freundschaft zwischen St. Pol und Warstein gehört zu den erfreulichsten Dingen, über die wir aus dem letzten Jahr zu berichten haben. Als im September 1964 Bürgermeister Risse, der damalige Stadtdirektor Dr. Pikullik und Stud.-Dir. Dr. Enste ihre erste Informationsfahrt nach St. Pol unternahmen, konnten sie die Folgen nicht ahnen. Hier hat sich ohne alle politischen Ambitionen, ohne pathetisches Gerede von der Vergangenheit und Zukunft eine echte menschliche Freundschaft zwischen den Familien beider Städte entwickelt. Nicht nur Geschenke, sondern auch Spitznamen wurden über die Grenzen liebevoll verteilt. Zwei Höhepunkte gab es im vergangenen Jahr. In den letzten Maitagen fuhren rd. 120 Warsteiner nach St. Pol und wurden dort mit einer Herzlichkeit empfangen, die sie nicht erwarten konnten. Es war eine gute Idee, die Warsteiner Stadtkapelle zu dieser ersten großen Begegnung einzuladen.
Noch heute spricht man in St. Pol begeistert von dem Konzertabend im Salle de fete.
Als dann im Sommer 150 Bürger aus St. Pol zu einem Gegenbesuch nach Warstein kamen, war die Freundschaft perfekt. Es läßt sich nicht mehr feststellen, wie viele Franzosen seit September Warstein besuchten, man kann nicht mehr feststellen, wie viele Warsteiner es waren, die seitdem nach St. Pol fuhren.

VOLKSHOCHSCHULE
GEGRÜNDET
Es sind gut zwei Monate her, als die neu gegründete Volkshochschule Warstein die ersten Vorlesungen aufnahm. Wie wir erfahren konnten, sind die Renovierungsarbeiten im alten Amtsgericht inzwischen so weit fortgeschritten, daß die Vorlesungen der VHS ab Januar 1966 dort stattfinden können. Es stehen dort etliche Räume der Erwachsenenbildung zur Verfügung. Aus der Reihe von Einzelveranstaltungen ragen insbesondere die Kupferhammer-Konzerte heraus, die im Warsteiner Kulturleben inzwischen zu einem festen Begriff geworden sind. Selbst als das letzte Konzert wegen Terminschwierigkeiten an einem Montag stattfinden mußte, war der Saal fast ausverkauft. Es hat sich erwiesen, daß es in Warstein einen großen Kreis Freunde guter Kammermusik gibt. Von den Vorlesungen war "Französisch für Anfänger" am besten besucht. 52 Hörer hatten sich eingetragen. Dieser Kurs soll im kommenden Semester fortgeführt werden.

WASSERVERSORGUNG
IST GESICHERT
Die Quellen im Bullerteich-Gelände, die z. T. in der Gemarkung Suttrop, z. T. in der Gemarkung Warstein liegen, sollen nach Angaben von Fachleuten zu den größten Quellvorkommen Westfalens zählen. Selbst in dem heißen Sommer 1959 wurde ein täglicher Wasseraustritt von 18.000 cbm gemessen. Nach langen Verhandlungen zwischen dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der Nachbargemeinde Suttrop, dem Lörmecke-Wasserverband und der Stadt Warstein ist es gelungen, eine Beteiligung aller Interessenten an diesem größten Wasservorkommen sicherzustellen. Die Verhandlungen, in die sich auch die Regierung in Arnsberg einschaltete, zogen sich mehrere Monate hin. Enderfolg: Die Gründung eines Wasserverbandes Bullerteich ist beschlossene Sache. Nach Fertigstellung der Anlagen wird die Wasserversorgung der Stadt Warstein auf Jahrzehnte gesichert sein.

JUSTITIA IN EIGENEN RÄUMEN
Erstmalig in der Geschichte der Stadt Warstein hat die Justiz ein eigenes Gebäude bezogen. Bis dahin lebte sie in dem alten Rathaus der Stadt Warstein, jenem einzigen klassizistischen Bau der Stadt an der Ecke Hauptstraße/Dieplohstraße. Einen besseren Platz hätte man für dieses neue Gebäude kaum finden können: Es liegt zentral, jedenfalls in Hinblick auf die Weiterentwicklung der Stadt nach Norden, und ist durch den Bergenthal-Park gegen die von der Bundesstraße 55 ausgehende Lärmeinwirkung geschützt. Städtebaulich gesehen ist die Lage gut durchdacht. Manches mißfällt aber auch: Der düster-grüne Innenanstrich, die zu eng geratene Treppe, jene drei Reihen Aluminiumplatten an der Stirnwand des Sitzungssaales, die - wie man uns sagte - ein Kunstwerk sein sollen. Das sind jedoch nur kleine Schönheitsfehler, die bei jedem Bauwerk unvermeidlich sind. Alles in Allem läßt sich sagen: ein schöner und gelungener Bau.

KEIN PLATZ FÜR
DAS AMTSHAUS?
Ein ganzes Jahr hindurch haben sich die Amtsvertreter und die Ratsherren der Stadt Warstein die Köpfe heißgeredet, den endgültigen Platz für das neue Amtshaus haben sie nicht gefunden. In letzter Zeit taucht immer wieder in den Diskussionen die Frage auf, ist überhaupt ein neues Amtshaus notwendig? Läßt sich nicht der Zweck auch durch die Errichtung eines Anbaus an das jetzige Rathaus erreichen? Das Amtshaus würde mindestens 2 Millionen DM, der Anbau vielleicht nicht einmal die Hälfte kosten. Das alte Jahr hat eine Entscheidung nicht gebracht. Warum sollte man darüber trauern . . .

. . . UND 1966?
Viele kommunalpolitische Probleme warten darauf, im Jahr 1966 gelöst zu werden: Bau von Kindergärten, Fertigstellung des Hauptsammlers, Abschluß des Neubaues Progymnasium, Überdeckelung der Wäster, Bau einer neuen Volksschule, Bau eines Lehrschwimmbeckens, Planung der Waldstadt Warstein.
Eine Menge Arbeit, die auch eine Menge Geld verschlingt - oder einbringt, wie die Waldstadt. Wie wir von der Märkischen Architektengruppe erfahren konnten, lagen bereits im Jahre 1965 Kaufanträge für über 2 Millionen DM vor.
Hoffen wir, daß es der Vertretung gelingt, alle diese Probleme im Jahre 1966 zu lösen, dann werden die Verfasser von Neujahrskarten Recht erhalten: Ein erfolgreiches Jahr 1966".


Lexikon für die Stadt Warstein, erstellt durch Horst Hassel,
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