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Quelle: Warsteiner Anzeiger vom 13.10.2003
Zur "Silberhochzeit" erklang "Auld lang syne" im Forum
Gymnasium Warstein und Calder High School feierten 25 Jahre Schüleraustausch. Aus Dreiecksbeziehung
Warstein, Hebden Bridge und St. Pol hervorgegangen
Von Christina Redder
WARSTEIN · "Welcome in Warstein in our school!" 25 Jahre Schüleraustausch zwischen der Calder High School aus Hebden Bridge und dem Warsteiner Gymnasium sind Grund genug für eine große Jubiläumsfeier. 40 britische Schülerinnen und Schüler und vier Lehrer reisten am Freitag mit dem Flugzeug an und verbringen nun eine Woche in Gastfamilien. Anlässlich der "Silberhochzeit" kamen die beiden Partnerschulen mit Gastfamilienangehörigen, Lehrern und Freunden zu einem deutsch-britischen Abend im Forum des Gymnasiums zusammen.
Seine Wurzeln hat der Schüleraustausch in der französischen Partnerstadt St. Pol, wo sich damals Lehrer aus Hebden Bridge, Warstein uns St.Pol trafen und den Dreiecksaustausch ins Leben riefen. "Die junge Pflanze ist von Gärtnern beider Schulen über die Jahre gehegt und gepflegt geworden. Auch ein Hagelschlag konnte sie nicht beschädigen. Heute ist sie zu einem festen Stamm herangewachsen", sagte Direktor Werner Humbeck. Ziel des Schüleraustaustausches sei es neben der Verbesserung der Sprachkompetenz, das Interesse der jungen Leute an internationalen Begegnungen zu wecken. Auch Schuldirektor David Scott von der Calder High School richtete einige Worte auf englisch, wie er sich entschuldigte, an die Partnerschule in Warstein. "Thank you for your invention. I'm very glad we celebrate our friendship together today." Die Direktoren überreichten sich gegenseitig ein Geschenk und gaben sich freudestrahlend die Hand.
Auch die Schüler des Warsteiner Gymnasiums trugen ihren Teil zu diesem gelungenen Fest bei. Sie präsentierten ein kurzes englisches Programm auf der Bühne. "When I wake up in the morning..." rappten die im College-Style gekleideten jungen Schülerinnen und Schüler der Klasse 6c und setzen ein verschmitztes Lächeln auf die Gesichter der britischen Gäste. Ebenfalls imponierte der Literaturkurs Englisch der Stufe 13 mit einem Auschnitt aus "Amadeus". Für die beeindruckenden Leistungen ertönte tosender Beifall.
Bei dem Lied "Auld Lang Syne", gespielt von Jan Eickmann auf der Trompete und Volker Lutz am Klavier, reichten sich die britisch-deutschen Tischgruppen die Hand und sangen mit.
Englischlehrer Michael Rennekamp nahm in seiner eigenen Schulzeit selbst an Austäuschen teil und setzt sich in seinem Beruf seit 1979 nun engagiert für diese Partnerschaft ein. "Für mich gibt es viele Gründe der Dankbarkeit. Das emotionale Highlight dieser 25 Jahre ist die Begegnung mit meiner heutigen Ehefrau, die ich in Hebden Bridge kennenlernte. Das Produkt deutsch-englischer Partnerschaft sitzt neben mir", sagte er lachend und wies auf seinen Sohn.
Auch Bürgermeister Georg Juraschka und Lehrerin Margaret Todt sprachen den vielen beteiligten Kollegen, Eltern und Schülern ihren Dank aus. Im Anschluss wurde das festliche Buffet eröffnet. Ein gemütliches Beisammensein rundete den Abend gelungen ab. Für die Schülerinnen und Schüler endete der Abend im abgedunkelten Discoraum bei Musik und Tanz.
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125 Jahre Höhere Schule in Warstein
(1994?) Die aktenmäßig erhaltenen ersten Schritte zur Gründung einer höheren Schule begannen mit der
Eingabe von 50 Warsteiner Bürgern im Spätherbst 1866, die an den Stadtvorstand einen Antrag
stellten, in dem auf die Notwendigkeit einer höheren Schule für Warstein verwiesen wurde.
Am 23.5.1867 entschied die Stadtverwaltung, die Schule ins Leben zu rufen. Als Höhere Bürgerschule
sollte die Trägerschaft der Schule bei der Stadt Warstein liegen, die Aufsicht oblag dann einem aus
verschiedenen interessierten Kreisen der damaligen Bürgerschaft zu konstituierenden Kuratorium.
Nachdem am 25.2.1869 die Königliche Regierung in Arnsberg die Errichtung einer höheren Schule
genehmigt hatte, begann der eigentliche Schulbeginn mit dem 5.5.1869. Die Unterrichtsverteilung zeigt
die für die damalige Zeit typische Wendung zum altsprachlichen Fächerkanon, aber auch eine im späten
19. Jahrhundert entstehende Neigung zu den Naturwissenschaften. Vier Stunden entfielen auf Latein
und "bürgerliches Rechnen", drei Stunden auf die Fächer Religion, "deutsche Übungen und Grammatik"
und Französisch, zwei Stunden auf Mathematik und Geschichte und jeweils eine Stunde auf Geographie,
Naturkunde, "Geschäftliche Aufsätze". Im Jahre 1871 kamen dann die Fächer Sport und Musik hinzu.
Bis zum Jahre 1889 wurde die Schule auf vier Klassen ausgebaut, 1907 sogar auf fünf. Dieser letzten
Genehmigung entsprach die endgültige Gestaltung des Lehrplanes, in dem es hieß, "daß von da ab die
Schule den fünf unteren Gymnasialklassen entspreche". Mit dem Ende der Monarchie war auch die
Schule, wie alle anderen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, vor ganz neue Herausforderungen
gesetzt worden. Wie ein erster tastender Versuch, sich in der neuen Staatsform der Republik zurechtzufinden,
klingen da die Worte des damaligen Rektors: "Auch wurde von jetzt an noch mehr als bisher Gelegenheit
genommen, die Schüler im bürgerkundlichen Sinne aufzuklären und ihnen staatliche Grundbegriffe zu erklären".
Die folgenden Jahre bedeuteten auch für die Schule nach einem stetigen Wachsen bis zur Mitte der 1920er
Jahre den schleichenden Niedergang bis zur Auflösung als städtische Anstalt im Jahre 1934. Die beginnenden
Zwanziger Jahre versuchten auch eine Art Demokratisierungs-prozeß (Elternbeirat) innerhalb des Schullebens
anzustreben.
Die zweite geschichtliche Wurzel des heutigen Gymnasiums entsprang mit der Errichtung einer privaten
"Höheren Schule für Mädchen" im Jahre 1922. Sie sollte nur wenige Jahre nach ihrer Gründung als einzige Form
des höheren Schulwesens in Warstein Bestand haben, um nach Auflösung und Integration in der ersten Zeit
nach dem Zweiten Weltkrieg im heutigen Gymnasium zu münden.
Der Beginn des Nationalsozialismus in Warstein mit dem 30.1.1933 bzw. der Konstituierung der neuen
Stadtvertretung bedeutete für das Schulleben zunächst keinen großen Einschnitt. Charakteristisch für die
Frühzeit des Nationalsozialismus war die Rücksicht auf die kirchliche Bindung, die durch die Integration
des Hochamtes in die nationalsozialistische Maifeier gekennzeichnet war. Seit dieser Zeit standen
Unterrichtsinhalte und -methoden mehr und mehr unter nationalsozialistischer Prägung, wenn auch durch
den Schulleiter nur mißmutig hingenommen.
Zum 1.4.1934 wurde jedoch die Höhere Stadtschule geschlossen und die Schüler überwies man an die
höhere Töchterschule, die seit dieser Zeit als "Höhere Knaben- und Mädchenschule" arbeitete. Unter der
seit 1931 tätigen Schulleiterin Sr. Magdalene Krings versuchte man einen Kompromiß zwischen staatlich
nationalen Anforderungen und den Idealen einer humanistisch orientierten Bildung zu vermitteln.
Vor allem seit dem Amtsantritt der neuen Schulleiterin Sr. Bonifatia Beckermann vergrößerte sich jedoch
der Druck des nationalsozialistischen Regimes. Am 1 7.1938 hatte ein Ministerialerlaß eine Neuordnung
des mittleren Schulwesens angeordnet, bei der an Stelle der alten Rektoratschulen entweder sechsjährige
Mittelschulen oder eine fünfjährige Zubringeschule zur Deutschen Oberschule einzurichten sei. Wahrend
sich die "Höhere Knaben- und Mädchenschule" als Zubringeschule betrachtete, richtete die Stadt Warstein
am 1.4.1940 im gleichen Schulgebäude eine städtische Mittelschule ein.
Im Herbst 1943 wandelte man aufgrund eines von der Stadtvertretung ausgehenden Ministerialerlasses die
bestehende Mittelschule in eine Hauptschule um, weiterhin kam es zur Gründung einer Städtischen Oberschule.
Nachdem die von den Schwestern geleitete Schule aufgrund fehlender Neuaufnahmen 1943 nur noch 26 Schüler
zählte, wurde im März 1944 die ehemalige private "Höhere Knaben und Mädchenschule" geschlossen.
Die schlimmen Verhältnisse des endenden Krieges machten ein geregeltes Schulleben vollends zunichte.
Mit dem Beginn des Demokratisierungsprozesses und der allgemeinen Neuordnung überlebte allein die 1943
konstituierte städtische Oberschule. Seit 1949 wurde die Schule dann als Progymnasium fortgeführt.
Konkrete Schritte zum Ausbau des Progymnasiums zur Vollanstalt unternahm man mit der Antragstellung
an den Kultusminister am 26.6.1964, der mit Beginn des Schuljahres 1965/66 den Ausbau zum Gymnasium
genehmigte. Am 26.9.1966 wurde zudem der Neubau des Gymnasiums feierlich eingeweiht. Mit 92 Schülerinnen
und Schülern eröffnete man 1970 erstmals drei Sexten und führte erstmalig Förderunterricht in verschiedenen
Fächern ein, um den neuen Schülern aufgrund unterschiedlicher Herkunft einen gleichen Stand des Lernniveaus
zu ermöglichen.
Der Einbau eines Sprachlabors und der Beginn der Oberstufenreform mit dem Schuljahr 1974/75, die reformierte
Oberstufe mit Leistungs- und Grundkursen einrichtete, waren weitere Schlaglichter der 1970er Jahre. Übrigens
zählte das Gymnasium mit dem neuen Schuljahr 1974/75 765 Schüler, 105 Sextaner besuchten die Schule
zum ersten Mal.
Der Anbau von vier Klassenräumen im Jahre 1979, die Konstituierung des "Vereins der Freunde und Förderer
des Gymnasiums der Stadt Warstein" im September 1979, die hohen Anmeldezahlen der endenden 1970er
Jahre, die für das beginnende Schuljahr 1980/81 erstmals mit 1001 Schülern die Tausendergrenze überstiegen,
die Diskussion um die freien Samstage, die Errichtung einer Theatergruppe im Jahre 1981, die Möglichkeit
eines Betriebspraktikums für Schüler der Jahrgangsstufe 10 sowie die Einrichtung eines Informatikraumes 1984
leiten langsam in die heutige Zeit über, die zum einen geprägt ist von einer räumlichen Umorganisation und
einem weiteren Ausbau der Schule (4 neue Klassenräume, zwei neue Informatikräume und nach vielen Jahren
geduldiger Mahnung der Anbau einer Aula!) und zum anderen durch die curriculare Anpassung des Gymnasiums
an die Anforderungen der heutigen schnellebigen Zeit.
Quelle: Westfalenpost vom 19.01.1967
Schreibfehler
Warstein Der Bauausschuß von Warstein hat beschlossen, das neue Gymnasium mit einem
lateinischen Spruch zu versehen, der schon das alte Gymnasium zierte. Die deutsche Übersetzung
lautet: "Liebe Gott, befleißige dich der Wissenschaft und rege die Freundschaft an." |