Quelle: Warsteiner Rundschau vom 10.10.2003

"Der klingende Teil unserer Stadt"


Der Festakt zum 10-jährigen Bestehen der Warsteiner Musikschule im Jahre 1988 stellte auch die Ensembles in den Mittelpunkt der Darbietungen. Heute wird das 25-jährige Jubiläum mit einem Festkonzert gefeiert. Annähernd 100 Beteiligte stehen dabei im Vordergrund. (WR-Bilder)

Von Dietmar Lange

Warstein. "Es war schon eine bahnbrechende Idee", urteilt die heutige stellvertretende Bürgermeisterin Ruth Grundhoff im Nachhinein über die ersten Überlegungen zur Gründung einer städtischen Musikschule in den ausgehenden 1970er Jahren. In verschiedenen Kreisen hatte man über ein solches Projekt nachgedacht und in diesem Zusammenhang Fachkompetenz eingeholt. Neben bestehenden Musikschulen in Lippstadt und Soest sollte nun auch Warstein eine solche Ausbildungsstätte erhalten.

"Im Rahmen der CDU-Frauenunion nahm der Gedanke Gestalt an und wir brachten dieses Vorhaben in den Rat ein", so die Musikliebhaberin weiter. Mit der Einrichtung einer Musikschule wollte man die Bandbreite musikalischen Lernens erheblich erweitern, die vordem in erster Linie in Privatunterricht vorwiegend in Klavier, Orgel und Gitarre bestanden hatte. "Beim Auswahlverfahren für den Stadtdirektor im Jahre 1977 habe ich immer nur eine Frage gestellt, inwiefern der Bewerber es sich vorstellen könne eine Musikschule seitens der Stadt zu führen", setzte man bereits mit der Wahl des späteren Stadtdirektors und Bürgermeisters Clemens Werner erste Zeichen. In einer der wichtigsten Ratssitzung des damaligen Jahrzehnts beschloss am 26.6.1978 der Rat der Stadt Warstein die Einrichtung einer städtischen Musikschule, die schon nach den Sommerferien des Jahres 1978 ihren Betrieb in den Räumlichkeiten der Pankratiusschule in der Innenstadt Warsteins aufnehmen sollte.

Denkwürdig das Datum, weil man damals nicht nur die Musikschule ins Leben rief - in der gleichen Sitzung wählte man den Beigeordneten Matthias Hoor und sprach sich für die gemeinsame Trägerschaft der Sparkasse Warstein-Rüthen mit der Stadt Rüthen aus. Neben verwaltungstechnischem und innovativem Beschließen hatte auch die Kultur der Stadt einen großen Schritt nach vorn gemacht. Hatte man die Räumlichkeiten in der früheren Warsteiner Volksschule auch gefunden - eine aufblühende Schule steht und fällt mit dem Engagement ihrer ersten Lehrer.

Hier hatte die Stadt in dem erst 24jährigen Musikpädagogen Hermann Suttorp aus Castrop-Rauxel einen engagierten Musiker gefunden, der im September 1978 mit einigen Kollegen den Unterricht mit vier Kursen u der musikalischen Früherziehung begann. 37 Schüler aus Warstein, Belecke und Sichtigvor erhielten hier ihre ersten Musikkenntnisse und -ausbildungen.

Eine steile Erfolgsleiter
Schon einen Monat später richtete man zwei weitere Kurse "Musikalische Grundausbildung" für Grundschüler in Belecke und Sichtigvor ein. Ein erstes Instrumentalfach wurde die Blockflöte. Die weiteren Stationen lesen sich wie eine steile Erfolgsleiter: November 1978: 6 weiter Kurse in Warstein und Hirschberg, neue Instrumentalfächer Querflöte und Schlagzeug; Dezember 1978 neue Instrumentalfächer Akkordeon und Klavier. "Wir wollten immer in allen Stadtteilen präsent sein, unsere Musikschule war und ist immer gesamtstädtisch konzipiert gewesen", so die Leitung der Schule. Neue Kurse erforderten neues Personal. Welcher Ratsherr oder welche Ratsfrau hätten im Sommer 1978 daran gedacht, dass nach nur wenigen Wochen die Musikschule bereits 81 wöchentliche Stunden zählte, 12 Lehrer dort unterrichteten und 307 Schüler ihre Ausbildung erhielten. "Von Beginn an orientierten wir uns an den Richtlinien des Verbandes deutscher Musikschulen. Neben der musikalischen Früherziehung im Elementarbereich gehörte dazu die Grundausbildung. Dann sollte Unterricht in nahezu allen Instrumentalfächern gewährleistet sein."

Dieser großangelegte Ausbau begann mit dem Amtsantritt des neuen Musikschulleiters Günter Schimpf im September 1980. Übrigens gründete man schon in den ersten Jahren den heute noch bestehenden Förderverein unter den Vorsitzenden Marion Schulte, Katharina Ludwig, Erich Feldmann und heute Wolfgang Boomhuis.

Räumliche Erweiterungen
Entscheidende Prägung erhielt das Wirken der Musikschule durch ihren langjährigen Leiter Günter Schimpf. Schon in seinen ersten Amtsjahren erfolgte ein großangelegter inhaltlicher Aus- und Aufbau, der sich auch in räumlichen Erweiterungen in der Pankratiusschule deutlich machte. Mehr als 700 Schüler, davon etwa 550 aus dem Stadtgebiet, wurden von 35 Lehrern unterrichtet - in etwa 400 Wochenstunden. Besondere Verdienste erwarben sich Schulleiter und Kollegium im sorgfältig geplanten Aufbau des Ensemble- und Orchesterbereiches. Trompetenensembles, Streichorchester, verschiedene Bands, das beeindruckende Salon-Ensemble, eine Big-Band, eine Volksmusikensemble wie auch ein Akkordeonorchester waren nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb des Schulgebäudes zu hören. In festlichem Rahmen beging man das 10jährige Bestehen im Jahre 1988. "Die Musikschule ist der klingende Teil unserer Stadt", lobte Bürgermeister Hermann Kroll-Schlüter. Und auch in den folgenden Jahren führten eigene Musikschulkonzerte die qualitätsvolle Arbeit der Musikpädagogen und das Können ihrer Schüler vor. Mehr als 150 Konzerte erlebte bis heute ein dankbares Publikum.

Auf verschiedenen Ebenen erlebte die Musikschule in den späten 1990er Jahren eine Reihe größerer Umbrüche. Wurde noch 1996 erstmalig das Unterrichtsfach "Musikgarten" als Kurs für Kinder bis zum 3. Lebensjahr eingerichtet, hielten 1997 neue Ausrichtungen in der Musikschule Einzug. Die einbrechende Haushaltssituation der Stadt Warstein zwang im gleichen und darauffolgenden Jahr zu bedeutenden Einsparungen, die 1998 durch einen solidarischen Verzicht des gesamten Kollegiums auf 20 Prozent des Unterrichtsdeputats geschultert wurde. Nach dem Weggang Günter Schimpfs, der die Entwicklung und den Charakter der Schule entscheidend prägen konnte, übernahm zum Jahresende 1998 ein Team aus drei erfahrenen Musikpädagogen die Verantwortung für musikalische Bildung und Erziehung.

Kultur ohne Geld?
Nicht zu machen
Michael Baronowsky, Heribert Kaja und Heinz-Helmut Schulte konnten auf eine lange Erfahrung bauen und den erfolgreichen Weg der Musikschule fortführen. Kammerkonzerte und Matineen im Haus Kupferhammer, Schülerkonzerte, Pop- und Rockkonzerte oder das Projekt "Musik und Markt" gehörten in den letzten Jahren zum gewohnten Jahreslauf.

Dass Kultur ohne Geld nicht zu machen ist, offenbarte sich in Überlegungen um Kostenreduzierungen. Erst in jüngster Zeit hat eine Arbeitsgruppe Ergebnisse auf den Tisch gelegt, um ein weiteres Blühen der Musikschule unter veränderten Bedingungen bei finanziellen Engpässen zu gewährleisten. "Wichtig ist uns immer gewesen Teil dieser Stadt zu sein", so das Leitungsteam in der Rückschau.