Festschrift zur Einweihung der neuen
Hirschberger Schule am 10. Juni 1911


Die ältesten Aufzeichnungen über die Schulverhältnisse der Stadt Hirschberg stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Am 16. November 1670 verkauften die Wwe. Köchlin und ihr Schwiegersohn Engelhardt Kettler, kurfürstlicher Jäger, ihren Speicher an die Stadt Hirschberg. Derselbe wurde seitens der Stadtgemeinde abgebrochen, auf dem Kirchhofe südlich vom Turm wieder aufgerichtet und als Schulhaus benutzt. Einhundertvierundsechzig Jahre hatte dieses einfache, einstöckige Gebäude Schulzwecken gedient, als 1854 die Knabenklasse ebenfalls in das Rathaus verlegt wurde, nachdem schon 1809 die besonders eingerichtete Mädchenklasse im Rathause untergebracht war. Die Königliche Regierung hatte bereits 1852 diese Verlegung angeregt, weil das alte Schulhaus neben seinen höchst einfachen Einrichtungen auch anfing baufällig zu werden. Die erforderlichen Verhandlungen und der nötige Rathausumbau, der nach den Plänen und Anschlägen des Baukondukteurs Dyschoff zum Preise von 1205 Talern 27 Silbergroschen und 4 Pfennigen durchgeführt werden mußte, gestatteten aber erst 1854 die Uebersiedlung der Knabenklasse. Schon damals beabsichtigte man den gleichzeitigen Anbau von Lehrerwohnungen. Der Magistrat von Hirschberg bat jedoch die Regierung, zur Ersparung der hohen Kosten von diesem Plane abzusehen und gab dieselbe unter Berücksichtigung der finanziellen Lage dem Antrage Folge.

Zur Geschichte des Rathauses selbst sei kurz erwähnt, daß dieses bei den großen Bränden in den Jahren 1778 und 1788 jedesmal ein Raub der Flammen wurde. Das 1788 wieder erbaute Rathaus ist, wie schon bereits erwähnt, noch das heutige.

Nachdem im Laufe der Jahre die Kinderzahl erheblich gestiegen und eine dritte Lehrkraft nötig geworden war, errichtete man 1891 neben dem Rathause nach den Plänen des Kreisbaumeisters Ebert für die Summe von 15000 M. ein Gebäude, in welchem im Erdgeschoß die neue Klasse und im Obergeschoß eine Lehrerwohnung untergebracht wurde. Nach weiteren 18 Jahren stellte sich die Einrichtung der vierten Klasse als Bedürfnis heraus und beschlossen Schulvorstand und Stadtvertretung die Errichtung eines neuen Schulhauses, in dem alle 4 Klassen sowie eine geräumige Wohnung für den Hauptlehrer und eine Lehrerinwohnung untergebracht werden sollten. Ferner waren nach dem Bauprogramm noch zu erstellen ein Konferenzzimmer für das Lehrpersonal und ein Bibliotheks- bezw. Lehrmittelraum. Für die Hauptlehrerwohnung beabsichtigte man als Beigabe eine Wasch- und Viehküche, einen Stall für zwei Kühe und ein paar Schweine sowie einen geräumigen Futterboden anzulegen. Die Trockenböden mußten naturgemäß in dem oberen Dachraum des Hauptgebäudes Unterkunft finden. Ferner waren für die Kinder der 4 Klassen ausreichende Bedürfnis-Anstalten zu schaffen und mußte auch in dieser Weise für die nicht im Schulhause wohnenden Lehrpersonen gesorgt werden.

Zur Erlangung mehrerer Bauentwürfe bezw. zwecks Vergleiches verschiedener Ideen Veranstaltete die Stadt- und Schulvertretung im Sommer 1909 einen beschränkten Ideenwettbewerb und forderte zwei auswärtige Architekten und das Kreisbauamt Arnsberg auf, nach dem gegebenen Programm Entwürfe aufzustellen und einzureichen. In einer zur Auswahl anberaumten Sitzung wählte der als Preisrichter bestellte Königl. Kreisbauinspektor Landsberg den Entwurf des Kreisbauamtes und erklärte die Stadt, die Schule nach diesen Plänen auszuführen und das Kreisbauamt mit der Aufstellung des Ausführungsentwurfes, der Arbeitsverdingung und der Leitung der Ausführung zu beauftragen. Nachdem der Hauptentwurf aufgestellt und von der Königl. Regierung genehmigt, auch im Winter 1909/10 die öffentliche Arbeits- und Lieferungsverdingung vorgenommen war, wurde Mitte März 1910 mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen. Die Bauarbeiten führten folgende Unternehmer aus:

1. Becker-Eversberg die Erd-, Maurer- u. Zimmerarbeiten,
2. Hilligsberg-Arnsberg die Stein- und Bildhauerarbeiten,
3. Wasserhövel-Hirschberg und Gebr. Haarhoff-Westendorf die Schmiede- und Eisenarbeiten,
4. Schräder-Warstein die Klempnerarbeiten,
5. Kohle-Freienohl die Schieferdeckerarbeiten,
6. Burg sen.-Callenhardt die Schreinerarbeiten,
7. Walgenbach-Warstein die Glaser- u. Anstreicherarbeiten,
8. Stein-Arnsberg die Malerarbeiten,
9. Habermehl-Dortmund die Kunstverglasung,
10. Gebr. Baronowsky-Arnsberg die Blitzableiteranlagen,
11. Laumann-Mülheim a. Möhne die Installation der elektr. Lichtanlagen, .
12. Beleke-Arnsberg die inneren Stuckarbeiten und den Außenputz (Terranova).

Die Bänke und sonstigen Klassenausrüstungsstücke wurden von den Schreinermeistern Hoff-Mimberg und Schulte-Hirschberg geliefert. 

Der Kostenanschlag zur Erstellung aller Anlagen war zu 75000 M. angesetzt. 

Die Arbeiten sind absichtlich in einem ruhigen Gange ausgeführt, damit alles aufs Beste erledigt werden konnte und auch das Gebäude vor seiner Benutzung unbedingt ausgetrocknet war. 

Zwecks ständiger Beaufsichtigung der Bauarbeiten genehmigte die Hirschberger Vertretung gleich zu Anfang einen Techniker und sind nachstehende 3 Herren am Bau tätig gewesen :

1. Bauführer Kausch (im Juli 1910 zur Stadt Arnsberg übergegangen).
2. Bauführer Visarius (im Oktober 1910 zur Gutehoffnungshütte-Oberhausen übergegangen).
3. Bauführer Aßmann (ist z. Z. noch anwesend).

Ein Unfall ist den am Bau Beschäftigten nicht zugestoßen, auch sind während der ganzen Bauausführung irgend welche unangenehme Zwischenfälle nicht eingetreten. Den Bauführern als auch den Unternehmern und Arbeitern stelle ich gern das Lob aus, daß sie jederzeit mit Freuden ihrer Pflicht genügten und daß jeder von ihnen mit besten Kräften zum guten Gelingen des Baues beigetragen hat.

In der Hauptsache danke ich aber dem Herrn Amtmann Schmitz-Warstein, sowie dem Herrn Stadtvorsteher Storck und den Herren der Stadtvertretung und des Schulvorstandes von Hirschberg für ihre große Opferwilligkeit und ihr liebevolles Verständnis dafür, der Stadt Hirschberg für ihre Jugend, ihre Zukunft, ein Schulhaus zu errichten, in dem diese sich wohl und heimisch fühlen, aber auch erkennen kann, daß das große Opfer, welches die liebe Heimatstadt ihr brachte, für sie ein Ansporn sein soll, immerdar durch Fleiß sich würdig zu zeigen und sich zu tüchtigen Menschen auszubilden.

Somit übergebe ich die neue Schule der Stadt mit dem Wunsche, daß Gott das Haus schützen möge und daß in ihm allezeit ein Geist walte, der der lieben alten Stadt Hirschberg und den kommenden Geschlechtern zum Segen gereicht.

Arnsberg,
Hirschberg, den 10. Juni 1911.

Vockrodt, Kreisbaumeister.


Lehrer an der Schule in Hirschberg: Franziska Bartmeier;