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Quelle: Westfälische Rundschau vom 27.01.1958
Schon ab Ostern dieses Jahres
Warstein. Nur fünf Punkte umfaßte die Tagesordnung der Ratssitzung in Warstein, die erste in
diesem Jahr. Nach deren Ankündigung war nicht zu erwarten, daß diese Sitzung besonders interessant
werden würde. Trotzdem waren alle acht Stühle für die Zuhörer besetzt; bei früheren Sitzungen waren
durchschnittlich zwei Zuhörer anwesend. Was die Zuhörer angelockt hatte, weiß niemand, denn daß man
über die Sonderschule und die Erweiterung des Gymnasiums sprechen würde, war aus der Tagesordnung
nicht zu ersehen. Und wer von den Zuhörern gehört hatte, es würde auch über den Ankauf der Besitzung
Schlotmann beraten, der sah sich enttäuscht, denn diese Sache wurde in die nichtöffentliche Sitzung
verlegt, wie das bei Finanzangelegenheiten üblich ist.
Trotzdem gab es neben dem üblichen Kleinkram, der aber manchmal nicht weniger wichtig ist, einige
interessante Debatten in dieser Sitzung. In ihrer vorigen Sitzung hatten die Ratsmitglieder die Zweckmäßigkeit
der Einrichtung einer Sonderschule in Warstein eingehend erörtert. Alle waren für diese Einrichtung.
Bürgermeister Risse teilte jetzt mit, daß die Voraussetzungen, diese Schule schnellstens einzurichten,
erfüllt seien. Man verfüge in Lehrer Gördes über einen Fachlehrer für Sonderschulen und habe entsprechende
Räumlichkeiten zur Verfügung, weil das DRK von der alten Schule in einen der Kellerräume der neuen
Berufsschule einziehen werde. Die Anfahrtmöglichkeiten für Schüler aus dem Am seien gut.
Amtsdirektor Hense, der zu Beginn der Sitzung als stellvertretender Stadtdirektor von Warstein gewählt worden
war, erwähnte in diesem Zusammenhang, daß der Besuch der Sonderschule in jedem Fall freiwllig sei.
Es würde hauptsächlich Anschauungsunterricht erteilt, deshalb dürfte die Zahl der Schüler einer Klasse die
20 nicht übersteigen. Im Augenblick besuchte Lehrer Gördes die Eltern der Schüler im Amt, die dafür in
Frage kämen. Er fände überall großes Verständnis. Aus dem Amt wären etwa 20 Kinder für die Sonderschule
geignet, aus Warstein ebenfalls 20. Es wäre am besten, man könnte gleich zwei Klassen mit zwei
Lehrkräften bilden, da man dann auch zwei Stufen einrichten könnte.
Für die Einrichtung von zwei Klassen setzte sich auch stellvertretender Bürgermeister Menke in der
Diskussion ein, und Bürgermeister Risse ergänzte das noch damit, daß jeder Lehrer der Sonderschule
einmal in der Woche an einem Lehrgang in Dortmund teilnehmen müsse, damit er über die neuesten
Erkenntnisse auf dem schwierigen Gebiet dieser Kinderbildung informiert bleibe. Bei der Errichtung nur
einer Klasse müßte dann immer ein Unterrichtstag in der Woche ausfallen, während sich die Lehrer
bei zwei Klassen abwechseln könnten.
Amtsbürgermeister Kropff empfahl dem Rat, mit dem Unterricht in der Sonderschule schon zu Ostern
zu beginnen, selbst wenn das Amt noch nicht mitmachen wollte. So wurde beschlossen. Außerdem
wurde angeregt, auch Suttrop und Kallenhardt für das Projekt zu interessieren und dann eventuell drei
Klassen zu bilden. Wenn die Stadt Warstein die Sonderschule ohne Hilfe des Amtes einrichtet, wird für
Schüler aus dem übrigen Amtsgebiet ein Gastschulgeld erhoben.
In der Sitzung des Schul- und Finanzausschusses hatte Studiendirektor Dr. Enste berichtet, daß für 1958
70 Neuanmeldungen zur Sexta vorlägen. Die Einrichtung von zwei Sexten scheitere aber am
Raummangel. Dr. Enste bat deshalb, die Bauplanung für die Erweiterung des Gymnasiums unverzüglich
aufzunehmen. Gleichzeitig wurde von ihm angeregt, die Einrichtung der Oberstufe zu erwägen, damit
den vielen Schülern die Reisen nach auswärts erspart bleiben.
Dr. Enste bat, 1960 mit der Oberstufe zu beginnen. Gleichzeitig empfahl er, eine neue Planstelle
zu schaffen, da zwei neue Lehrer benötigt würden. Die Planstelle sei ein Anreiz für ernsthafte Bewerber,
da der jetzige Zustand, daß laufend Assessoren nach Warstein beordert würden, die nach kurzer Zeit
wieder versetzt würden, für eine gute Schulausbildung denkbar ungeeignet sei. Der Rat beschloß die
Einrichtung der achten Planstelle.
wird jetzt immer dringender. 103 Neuanmeldungen seien
vorgenommen worden, und die schon im Vorjahr erwogene Erweiterung soll nun schnell durchgeführt werden.
Es sollen in der Wohnung Knoop zwei zusätzliche Räume geschaffen und die Familie Knoop gut
untergebracht werden. Außerdem beschloß der Rat, die beiden Kindergärtnerinnen Fräulein Dolle und
Fräulein Schmale, die zu Ostern ihr Abschlußexamen ablegen, neu anzustellen. Man will ihnen die
Stelle schon jetzt anbieten, damit sie sich als Warsteinerinnen nicht woanders bewerben. |