Quelle: Westfälische Rundschau vom 27.01.1958

Schon ab Ostern dieses Jahres
Warstein richtet Sonderschule ein
Beteiligung des Amtes erwünscht, aber nicht Bedingung / Gymnasium ab 1960 Vollanstalt?

Warstein. Nur fünf Punkte umfaßte die Tagesordnung der Ratssitzung in Warstein, die erste in diesem Jahr. Nach deren Ankündigung war nicht zu erwarten, daß diese Sitzung besonders interessant werden würde. Trotzdem waren alle acht Stühle für die Zuhörer besetzt; bei früheren Sitzungen waren durchschnittlich zwei Zuhörer anwesend. Was die Zuhörer angelockt hatte, weiß niemand, denn daß man über die Sonderschule und die Erweiterung des Gymnasiums sprechen würde, war aus der Tagesordnung nicht zu ersehen. Und wer von den Zuhörern gehört hatte, es würde auch über den Ankauf der Besitzung Schlotmann beraten, der sah sich enttäuscht, denn diese Sache wurde in die nichtöffentliche Sitzung verlegt, wie das bei Finanzangelegenheiten üblich ist.

Trotzdem gab es neben dem üblichen Kleinkram, der aber manchmal nicht weniger wichtig ist, einige interessante Debatten in dieser Sitzung. In ihrer vorigen Sitzung hatten die Ratsmitglieder die Zweckmäßigkeit der Einrichtung einer Sonderschule in Warstein eingehend erörtert. Alle waren für diese Einrichtung. Bürgermeister Risse teilte jetzt mit, daß die Voraussetzungen, diese Schule schnellstens einzurichten, erfüllt seien. Man verfüge in Lehrer Gördes über einen Fachlehrer für Sonderschulen und habe entsprechende Räumlichkeiten zur Verfügung, weil das DRK von der alten Schule in einen der Kellerräume der neuen Berufsschule einziehen werde. Die Anfahrtmöglichkeiten für Schüler aus dem Am seien gut.

Amtsdirektor Hense, der zu Beginn der Sitzung als stellvertretender Stadtdirektor von Warstein gewählt worden war, erwähnte in diesem Zusammenhang, daß der Besuch der Sonderschule in jedem Fall freiwllig sei. Es würde hauptsächlich Anschauungsunterricht erteilt, deshalb dürfte die Zahl der Schüler einer Klasse die 20 nicht übersteigen. Im Augenblick besuchte Lehrer Gördes die Eltern der Schüler im Amt, die dafür in Frage kämen. Er fände überall großes Verständnis. Aus dem Amt wären etwa 20 Kinder für die Sonderschule geignet, aus Warstein ebenfalls 20. Es wäre am besten, man könnte gleich zwei Klassen mit zwei Lehrkräften bilden, da man dann auch zwei Stufen einrichten könnte.

Für die Einrichtung von zwei Klassen setzte sich auch stellvertretender Bürgermeister Menke in der Diskussion ein, und Bürgermeister Risse ergänzte das noch damit, daß jeder Lehrer der Sonderschule einmal in der Woche an einem Lehrgang in Dortmund teilnehmen müsse, damit er über die neuesten Erkenntnisse auf dem schwierigen Gebiet dieser Kinderbildung informiert bleibe. Bei der Errichtung nur einer Klasse müßte dann immer ein Unterrichtstag in der Woche ausfallen, während sich die Lehrer bei zwei Klassen abwechseln könnten.

Amtsbürgermeister Kropff empfahl dem Rat, mit dem Unterricht in der Sonderschule schon zu Ostern zu beginnen, selbst wenn das Amt noch nicht mitmachen wollte. So wurde beschlossen. Außerdem wurde angeregt, auch Suttrop und Kallenhardt für das Projekt zu interessieren und dann eventuell drei Klassen zu bilden. Wenn die Stadt Warstein die Sonderschule ohne Hilfe des Amtes einrichtet, wird für Schüler aus dem übrigen Amtsgebiet ein Gastschulgeld erhoben.

In der Sitzung des Schul- und Finanzausschusses hatte Studiendirektor Dr. Enste berichtet, daß für 1958 70 Neuanmeldungen zur Sexta vorlägen. Die Einrichtung von zwei Sexten scheitere aber am Raummangel. Dr. Enste bat deshalb, die Bauplanung für die Erweiterung des Gymnasiums unverzüglich aufzunehmen. Gleichzeitig wurde von ihm angeregt, die Einrichtung der Oberstufe zu erwägen, damit den vielen Schülern die Reisen nach auswärts erspart bleiben.

Dr. Enste bat, 1960 mit der Oberstufe zu beginnen. Gleichzeitig empfahl er, eine neue Planstelle zu schaffen, da zwei neue Lehrer benötigt würden. Die Planstelle sei ein Anreiz für ernsthafte Bewerber, da der jetzige Zustand, daß laufend Assessoren nach Warstein beordert würden, die nach kurzer Zeit wieder versetzt würden, für eine gute Schulausbildung denkbar ungeeignet sei. Der Rat beschloß die Einrichtung der achten Planstelle.

wird jetzt immer dringender. 103 Neuanmeldungen seien vorgenommen worden, und die schon im Vorjahr erwogene Erweiterung soll nun schnell durchgeführt werden. Es sollen in der Wohnung Knoop zwei zusätzliche Räume geschaffen und die Familie Knoop gut untergebracht werden. Außerdem beschloß der Rat, die beiden Kindergärtnerinnen Fräulein Dolle und Fräulein Schmale, die zu Ostern ihr Abschlußexamen ablegen, neu anzustellen. Man will ihnen die Stelle schon jetzt anbieten, damit sie sich als Warsteinerinnen nicht woanders bewerben.