Quelle: WR Warstein vom 21.09.2003
Eine Lebensfreude, die verbindet

Der MGV Cäcilia Allagen konnte am Samstag Abend knapp 500 Sängerinnen und Sänger zum Freundschaftssingen in der Allagener Möhnetalhalle begrüßen. (WR-Bild: Schmallenberg)

Von Udo Schmallenberg
Allagen. Singen ist im Chor am schönsten - der Titel ist nicht nur Programm des Geburtstagskindes, sondern war auch Inhalt des Eröffnungsliedes, mit dem der MGV Cäcilia Allagen am Samstag Abend knapp 500 Sängerinnen und Sänger zum Freundschaftssingen in der Möhnetalhalle begrüßte.

In launigen Worten stimmte Wolfgang Reiter als Vorsitzender des Jubiläumschores auf die angekündigten Ohrenfreuden ein und schloss in seinen Dank neben den Ehefrauen der Sänger insbesondere Chorleiter Reinhold Völkel ein, der in den vergangenen 16 Jahren nicht einen Termin versäumt habe - trotz Fünffach-Belastung als Dirigent mehrerer Chöre.

Hervorragende Arbeit
Dass Völkel seine Arbeit nicht nur in Allagen, sondern auch in Remblinghausen und Warstein hervorragend macht, sollten die von ihm betreuten Chöre in den kommenden zwei Stunden noch beweisen dürfen.

Ein Dankeschön ging auch an den Musikverein Sichtigvor, der die Veranstaltung unentgeltlich begleitete und dafür viel Applaus erntete. Nach den ersten Einlagen der Allagener wurde es nur ganz kurz offiziell: Josef Wüllner, aktiver Sänger in Belecke und Vorsitzender des Kreissängerbundes, überreichte die offizielle Urkunde zum 75-jährigen Bestehen.

Mit "Wochenend und Sonnenschein" gab Völkel den Taktstock an die nächsten Akteure weiter, mit diesem Titel auch wieder ein Stück Lebensfreude ausdrückend, das die Allagener Sänger im Chor verbindet. Als erster Gastchor dokumentierte der MGV Züschen Allagener Chorgeschichte: 1965 hatte Wolfgang Reiter hier den Chorgesang erlernt und hatte dieses Können seit 1975 in den Dienst des MGV Cäcilia gestellt. "Wir hätten damals eine Ausbildungsvergütung einfordern sollen", so die Züschener humorig.

Der Warsteiner Volkschor, Eintracht Völlinghausen, der Frauenchor Remblinghausen und der MC Sauerlandia Warsteiner überbrachten ebenfalls musikalische Grüße und trugen zur feinen Geburtstagsatmosphäre in der schon deutlich herbstlich geschmückten Möhnetalhalle bei.

Der Ausfall der Hirschberger Singgemeinschaft wurde zwar mit Bedauern zur Kenntnis genommen, umso mehr freuten sich de Gastgeber, dass der aus Krankheitsgründen kurzfristig geschwächte Chor doch als Zuhörer den Weg ins befreundete Allagen gefunden hatte.

Der Belecker Männerchor, mit gewohnt volumigem Klang aus einem großen Chorkörper, harmonierte beim gemeinsamen Gesang mit dem Warsteiner MGV - klar, dass bei einem Freundschaftssingen auch die besten Freunde mal zusammen singen dürfen.

Wiedersehen in großer Runde
Eine ganz besondere Freude war es Wolfgang Reiter, mit dem Chor "Happy Cantus" quasi einen potenziellen Nachfolger präsentieren zu können. Hier hat sich in Allagen eine Gruppe junger Sängerinnen und Sänger dem Chorgesang veschrieben - mit etwas anderen Ambitionen und Neigungen als die Cäcilianer, aber hoffentlich mit ähnlicher "Kondition" wie die Cäcilia-Gründer vor 75 Jahren. Der Schlusschor endete mit einem modernen "Come Together" - Erinnerung zum einen daran, dass es noch einiges zu Feiern gab, aber auch vielleicht schon leise Anregung, sich in absehbarer Zeit beim nächsten Geburtstagsfest in großer Runde wieder zu treffen.


Quelle: WR Warstein vom 19.09.2003
Musikalisch top - aber auch gesellig

Allagen. Heute feiert des MGV Cäcilia Allagen sein 75-jähriges Bestehen. Nachdem wir auf das erste Vierteljahrhundert zurückgeblickt haben, hier die Chronik der vergangenen 50 Jahre:

Standen die Festlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des MGV Allagen im Jahr 1953 noch unter dem Eindruck des vergangenen 2. Weltkrieges, so stieg die kriegsbedingt arg geschrumpfte Zahl der Sänger des MGV Allagen bald wieder, so dass die musikalische Chorarbeit stetig intensiviert werden konnte.

Der Allagener Männergesangverein erreichte bald wieder seine alte Klasse. Dabei leisteten die Chorleiter Wienold Kutscher, Ernst Enste, Josef Hindahl, Jupp Müller und Peter Wessel wichtige Arbeit. 1967 verpflichtete man den Soester Willi Deimann als Dirigenten.

20 Jahre lang hatte dieser dann das Sagen und sorgte mit außerordentlichen Engagement dafür, dass der heimische Chor sich musikalische enorm weiter entwickelte und zum anderen die Geselligkeit groß geschrieben wurde. Ereignisreiche Fahrten zum Kloster Corvey, nach Helgoland, nach Köln und zu vielen weiteren Stätten sorgten für eine großartige Vereinsbelebung.

Weiter fiel in diese Zeit das Engagement der heimischen Sänger bei den Großen Kappensitzungen der VAK. Ob als Matrosen oder Mainzer Hofsänger, sie nahmen dass Ortsteilgeschehen mit spitzer Zunge aufs Korn und waren Highlight einer jeden Karnevalsveranstaltung.

Mit einem großartigen Festprogramm beging der heimischen Chor 1978 seinen 50. Geburtstag. Seit dem Jahr 1987 schwingt Reinhold Völkel den Dirigentenstab in Allagen.

Die Vorsitzenden im Verlauf der Vereinsgeschichte: 1928 Franz Ferber, 1929 Friedrich Weber, 1932 Josef Pelzer, 1939 Caspar Böckmann, 1949 Heinrich Lenze, 1950 Franz Berghoff, 1951 Heinrich Gerke, 1955 Franz Berghoff, 1959 Fritz Gosmann, 1971 Dieter Weihmann, 1977 Helmut Kutscher, 1981 Peter Schulte-Hense, 1986 bis heute Wolfgang Reiter.


Aus der Chronik des Vereins:

Am 25. Januar 1928 schlossen sich in der Wirtschaft Kühle 19 sangesfreudige Männer aus Allagen zur Gründung eines Männergesangvereines zusammen. Zum ersten Vorsitzenden wurde Ferdinand Ferber einstimmig gewählt. Der übrige Vorstand setzte sich wie folgt zusammen:
Wilhelm Grossmann (stellvertr. Vorsitzender), Gustav Große (Schriftführer), Kaspar Ferber (Kassierer), Wienold Kutscher (Notenwart). Als Chorleiter wurde der Junglehrer Johannes Esleben verpflichtet.

Über die Aufgaben besagen die Satzungen: "Der Verein verfolgt den Zweck, in mehrstimmigem Gesang das deutsche Lied zu pflegen, seinen Freunden und Gönnern Stunden der Freude und Erholung zu bieten und sich auch bei den weltlichen und kirchlichen Feiern in den Dienst der guten Sache zu stellen. in politischer und religiöser Hinsicht ist der Verein neutral."

Bereits nach dem ersten Jahr seines Bestehens zählte der Verein 33 aktive und 17 passive Mitglieder. Schon bald nahm er teil an den Gesangfesten in Völlinghausen, Altenmellrich und Horn, sowie in den späteren Jahren an den Sängerfesten in Lippstadt, Anröchte, Kallenhardt, Erwitte und im Sommer 1938 an dem Wertungssingen in Warstein.

Am 19.9.1933 wurde der Verein Mitglied des Deutschen Sängerbundes und änderte entsprechend seine Statuten. Zum Bundessängerfest im Jahre 1937 wurde der Sangesbruder Grosse nach Breslau entsandt; er nahm auch 1951 als Vertreter des Vereins am Bundessängerfest in Mainz teil. 1949 erhielt Grosse den Ehrenbrief und die Ehrennadel des Sängerbundes beim Sängerfest in Anröchte. Außerdem wurde ihm von seinem Verein ein Ehrenabzeichen mit der Zahl 50 überreicht.

Die Folgen der umwälzenden Zeit und die Jahre des letzten Weltkrieges mit den politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen sind an dem Verein nicht spurlos vorübergegangen. Aber die Freude am Gesang war die spendende Kraft, das Leben im Verein zu erhalten.
Während des 2. Weltkrieges wurde ein großer Teil der Sänger und der Chorleiter zu den Fahnen einberufen. Um den MGV nicht zum Erliegen zu bringen, trafen sich die in der Heimat verbliebenen aktiven Mitglieder eingedenk der Mahnung des Vorsitzenden des Sängerkreises Lippstadt, Herrn Deverman, alle 2 Wochen im Vereinslokal, hielten den Verein aufrecht und gaben so sich selbst aufmunternde Stunden in echter sangesbrüderlicher Liedgemeinschaft.

An dieser Stelle dürfen wir den gefallenen und vermißten Sangesbrüdern und Vereinsmitgliedern gedenken, denen es nicht vergönnt war, ihre Heimat wiederzusehen. Der Verein wird ihr Andenken stets in Ehren halten. Bereits Ende 1945 konnte die Cäcilia als einer der ersten Vereine des Sängerkreises ihre Tätigkeit unter Leitung des heimgekehrten Dirigenten Wienold Kutscher wieder aufnehmen. Arbeitsüberlastung des Dirigenten war Veranlassung, dass Sangesbruder Josef Hindahl als Chorleiter verpflichtet wurde, der dem Chor mit gutem Erfolg vorstand.

Im Jahre 1953 feierte der Verein sein 25jähriges Bestehen. Anläßlich dieses Jubiläums fand das Kreissängerfest des Sängerkreises Lippstadt in der Möhnetalhalle in Allagen statt, zu dem auch zahlreiche befreundete Chöre eingeladen waren. Um dem Verein neue Freunde zu gewinnen, trat der Chor verstärkt in der Öffentlichkeit auf. Durch das Einfließen zeitgenössicher Kompositionen in die Chorarbeit wurde die Beteiligung an den Singeabenden gefördert. Die verstärkte Arbeit des Chores brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Sänger und passive Mitglieder der Nachbargemeinden Sichtigvor, Niederbergheim und Mühlheim in den Verein aufgenommen werden konnten. Durch die vorbildliche Mitarbeit aller Sänger konnte der Verein in den Jahren verstärkt an Freundschafts- und Kreissingen teilnehmen und neben anspruchsvollen Leistungs- vergleichen auch die freundschaftliche Verbundenheit mit anderen Chören pflegen.